Heimat und Zuhause

Geschichten und Berichte vergangener Tage.

Moderator: Offiziere

Antworten
Briorn
Beiträge: 10
Registriert: Fr 15. Aug 2008, 12:35
Kontaktdaten:

Heimat und Zuhause

Beitrag von Briorn »

In der Hand hielt er noch den brief den er gerade erst einige Tage zuvor erhalten hatte, die Andere umfasste locker die Mähne des Gauls, der ihn schon seit Stunden, oder Tagen, ohne Rast nach Osten trug. Weder Reiter noch Tier wussten wohl wie lange sie schon ohne Rast unterwegs waren.
An seinem Sattel waren zwei schwere Bündel befestigt, die beinhalteten, was er in den letzten Wochen und Monaten, die er in Eriador verbracht hatte, erbeutet hatte.
Dieser Mann war kein Dieb oder Räuber. Sein Name, zu dieser Zeit, war Briorn un er hätte wohl die meiste Zeit seines Lebens behauptet ein thalländischer Krieger zu sein. Doch auf einem Schlachtfeld gegen einen Ansturm nordländischer Barbaren zu sterben war nicht sein Schicksal, zumindest noch nicht. Heute war er soetwas wie ein Schatzjäger.
Sein Schicksal hatte sich schon vor zwanzig Jahren von dem der anderen Jünglinge in seiner Sippe unterschieden, als der alte Sagenhüter Bartaxt, den die Kinder des Dorfes alle nur neckisch den 'alten Zauselbart' nannten, ihn zu seinem Nachfolger machte.
"Welch eine Ehre", hatte er damals gedacht. Nur die Klügsten und de Stärksten einer Generation kamen für diese Aufgabe in Frage und Briorn war stolz. Stolz die Geschichten und das Wissen seiner Vorväter eines Tages weitergeben zu dürfen. Doch noch stolzer war er auf sich selbst.
Viele Winter kamen und gingen seit dieser Zeit. Doch vor einigen Monaten als es für Briorn an der Zeit war seinen alten und bald schon senilen Mentor ab zu lösen hatte sich etwas an seinem alten Meister geändert.
Seit dieser Zeit wanderte Briorn fernab seiner Heimat auf der Suche nach Dingen die bereits lange verloren zu sein scheinen, wissentlich, dass seine Sippe eigentlich seines Mutes und seines Wissen als Stratege bedarf.
Sein Pferd schnaufte. Das Nebelgebirge war schon in Sicht. Dorthin führte ihn der Brief und von dort vielleicht sogar bis in seine Heimat.
Das sanfte Traben seines Gauls auf dem laubbedeckten Boden der Trollhöhen und die vorbeiziehenden Bäume und fahrenden Händler verschleiern wie im Traum als Briorn an seinen hastigen Aufbruch von seinem Quartier in der Halle der Meigol I Estel, einer gondorischen Soldatentruppe, denkt.
Schnell hatte er sein Quartier fast vollständig geräumt und war losgeritten, seine Verpflichtungen gegenüber dieser Truppe gänzlich vernachlässigend.
Dann verliesen seine Gedanken diese Welt und nehmen sich die Rast, die sie seit Tagen schon versuchen ein zu fordern.

"Bruder!", Briorn schloss seinen alten Freund herzlich in seine Arme, "Ha! Bist du wirklich so fett geworden wie es aussieht?", "Scheiß auf dein loses Mundwerk Briorn. Wie geht es dir?" Briorn überlegte kurze Zeit bevor er antwortete. Sie standen auf einer kleinen schneebedeckten Lichtung im Nebelgebirge, gerade nördlich von Bruchtal. Sein Pferd ging die Lichtung ab auf der Suche nach etwas essbarem, doch schien das Eis in diesen Höhen kaum Bodenvegetation zuzulassen.
"Wie soll es mir schon gehen? Diese Leute aus Eriador sind alles Memmen oder Lumpenpack", sein allzeit neckisches Grinsen machte sich kurz auf seinem Gesicht breit, bevor er einen ungewöhnlichen Ernst in seine Stimme legte: "Und wie geht es meiner Sippe, Daarken? Meinen Geschwistern und meinen Eltern? Dem alten Bartaxt?", den letzten Teil hob er ganz besonders hervor. "Nun", begann Daarken jetzt mit bedrückter Stimme, "die Zeiten sind dunkler geworden. Die Tage als wir die Dörfer der Nordmenschen abgriffen und ihr Vieh raubten sind vorbei. Im Gegenteil." Der Bote schaute sich um und setzte sich auf einen kleinen Fels in der Mitte der Lichtung. "Wir können keine Nacht mehr ruhig schlafen ohne zu befürchten, dass sie unser Dorf anzünden."
Briorn setzte sich zu seinem Vetter auf den Stein und zog das Fell, dass auf seinen Schultern lag, zurecht. "Es regnet das Blut unserer Leute", setzte er fort, "doch deinen Eltern geht es gut. Ganz im Gegenteil zum alten Grimmhain. Eigentlich sollte er an meiner Stelle hierher reiten um dich zu treffen, doch er wurde am Tag vor seiner Abreise auf der Jagd erschlagen."
Briorn war inzwischen völlig in sich gekehrt und nahm nurnoch auf was Daarken ihm erzählte.
"Ich bin hier weil der Ältestenrat entschieden hat dir deinen Namen zu verleihen und diesem wahnsinnigen Unterfangen ein Ende zu bereiten." Briorns Augen flammten auf. Hatte er richtig gehört? Wurde sein alter Meister wirklich auf diese Weise übergangen? Und wollten sie seiner Ehre und seinem Stolz wirklich so einen Tritt verpassen?
"Wer hat sich diesen Schwachsinn ausgedacht Daarken? Wieso sollen unsere Traditionen derart getreten werden? Du weisst, dass ich erst meinen Platz in der Sippe einnehmen kann wenn ich diese Prüfung hier bewältigt habe."
"Der alte Bartaxt ist verrückt geworden. Er hat sich völlig zurückgezogen und wartet in seiner Hütte im östlichen Wäldchen nurnoch auf deine erfolgreiche Rückkehr. Und die jagst Phantomen der Vergangenheit hinterher. Wir brauchen jeden Mann gegen die Nordmenschen und Männer mit deinem Wissen und deiner Führung umso mehr. Dein Mentor hat dich auf eine Prüfung geschickt, die du nicht bestehen kannst. Du zählst inzwischen schon vierzig Winter und dein Platz ist in deiner Sippe und nicht an diesem fremden Ort."
Briorns Augen rollten von links nach rechts und wieder zurück, wie als würde er ein Buch lesen. Dann stand er auf und rief sein Pferd zu sich. Er löste zwei Bündel vom Sattel des Tiers. "Ich denke nicht dass ihr mich so sehr braucht, dass wir unsere Traditionen vernachlässigen sollten. Hierin sind ein sehr alte und wertvolle historische Schriften dieser lande und ein paar noch viel wertvollere Reliquien aus längst vergessener Zeit. Wenn der alte Zauselbart zufrieden ist kehre ich heim.", wehmütig grinsend hielt er Daarken die Bündel entgegen.
"Du starrköpfiger, bekloppter Narr", der Thalländer nahm die Bündel seufzend entgegen und setzte sie vor sich ab. Dann rief er sein eigenes Pferd herbei und kramte in dessen Satteltasche bis er einen versiegelten Brief herraus zog. Er hielt ihn Briorn vorsichtig entgegen.
Er erkannte das in das Wachssiegel eingeprägte Zeichen sofort. Im unteren Teil ein Drache und im Oberen einen thalländischen Kriegshammer.
"Was ist das? Die Aufstellung des Silbers, dass ich dem Schankwirt noch schulde?"
"Briorn Starkarm.", setzte Daarken mit bestimmter Stimme an,"Deine Sippe wartet auf deine Rückkehr. Dein Einsatz für die Traditionen unseres Hauses ehrt dich.", "Ha!", behann Briorn erst bevor ihm der Atem stockte. Was ihm, wie er bemerkte, wohl noch nie passiert war. 'Starkarm', er blickte auf seinen linken Arm und durch seine Kleidung hindurch und sag die Narbe, die sich auf beiden Seiten über seinen Unterarm vom Ellenbogen bis zum Handgelenk erstreckte. Er erinnerte sich an den Augenblick da er die Wunde zugefügt bekam, die zu dieser Narbe führte.
Briorn nahm den Brief aus Daarkens Händen und nachdem er ihn in seiner Weste verstaut hatte legte er seine rechte Hand auf Daarkens Schulter. "Es geht ihr gut?", Daarken nickte eindringlich, doch sein Gesichtsausdruck, so beschloss Briorn, lies Zweifel offen.

Die Beiden alten Freunde tranken und redeten noch einige Stunden auf dem Stein in dieser Lichtung. Über die Heimat und die Suche nach Orswulf bevor sich beide wieder auf den Wge machten. Der eine in die Heimat, der Andere nur nach Hause.
Kampf brauch keinen Anlass, Kampf ist der Anlass selbst. Du fragst nicht warum ein Feld brennt oder eine Seuche sich ausbreitet. Also frag nicht warum ich kämpfe.
- Briorn Starkarm
Antworten