Falandir, Falador's Sohn

Schreibt hier die Geschichte Eures Charakters nieder.

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Falandir
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Falandir, Falador's Sohn

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Name: Falandir, Falador's Sohn *2941 d. DZ
Abstammung: Edain, Menschen, Dûnedain
Klasse: Heerführer, Feldherr, Waldläufer
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Vergangenheit:
  • 2941 DZ -- Geboren in Thal
  • 2941 DZ -- Tod der leiblichen Mutter durch Smaug
  • 2941 bis 2953 DZ -- Aufgewachsen bei Elben in Bruchtal (bis zum 12. Lebensjahr)
  • 2953 DZ -- Tod des leiblichen Vaters Falador
  • 2953 DZ bis 2959 DZ -- Unterschlupf bei den Dunedain
  • 2959 DZ bis 2962 DZ -- bisher unbekannter Abschnitt
  • 2962 DZ bis 2979 DZ -- Falandir dient Ecthelion II. von Gondor zur Fahrt gegen die Korsaren.
    • 2963 DZ - Ernennung zum Cainenhîr
    • 2974 DZ - Auszeichnung für die geleisteten Dienste und Beförderung zum Turmahîr.
  • 2979 DZ bis 3017 DZ -- bisher unbekannter Abschnitt
  • 3017 DZ -- Beitritt und Ernennung zum Lord der Agar Teryn
  • 3018 DZ -- Rücktritt als Lord der Agar Teryn
"Wer dumpfe morale Klischees bedient, stellt sich außerhalb meiner Ordnung."
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Falandir
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Re: Falandir, Falador's Sohn

Beitrag von Falandir »

I

Zwielicht zwischen Schatten und Schicksal

(2941 - 2953 DZ)
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Die Blüten der Rittermark fingen an zu verschwinden. Die Luft speiste die Lungen mit dick-fauligem Geruch der Orks. Selbst der Frühling scheute sich zu zeigen sowie das Himmelblau, das sich hinter den grauen Wolken verstecken versuchte. Als Vater und Sohn - im grauen Gewand gehüllt - den Wald erreichten, wurde der Tag zur Nacht. Der faulige Gestank verschwand zwar, dafür wurde es bitterlich kalt. Ohne sich umzudrehen rannte der Vater durch den Dickicht, als würde eine Schar Trolle ihn verfolgen. Er hielt seinen Sohn fest, als er trotz allen Mitteln versuchte sein Tempo stand zu halten, trugen seine kurzen Beine ihn nicht so schnell voran. Je weiter sie in den Düsterwald kamen, desto dichter wurde er. Äste sprangen dem Jungen ins Gesicht und schnitten ihm Wunden ins Fleisch. Er hörte sein Herz pochen, das ihm die Luft aus den Lungen presste und seine Kehle erdrückte. Nahezu verloren schienen seine Sinne, bis sie jedoch von einem ohrenbetäubten, klingenschneidenden Geschrei wieder geweckt wurden. Beide hielten inne, an einer erhellten Lichtung, an der sein Vater versuchte einen neuen Fluchtweg zu erspähen. Er bemerkte hinter sich nur Schatten, die sich schnell näherten. Es waren keine Orks.

Falador, Pelendor’s Sohn - mit dem Blute eines Dunedains in seinen Adern und im Dienste des neuen Königs Bard I. von Thal - wurde schon im frühen Jünglingsalter von dem Tot seiner Schwester geprägt. Sie starb mit zwölf Jahren an einem eisernen Pfeil, der ihre Brust durchbohrte und sie ausbluten ließ. Sie ist einer Orkpatrouille über den Weg gelaufen, die ihr Verhängnis wurde. Ihre zarte Seele wurde von den Orks bepflegt, als sie begannen ihre Gliedmaßen zu zerreißen und sie zu verspeisen. Nur ihren Kopf behielten sie, als Trophäe für ihren Häuptling. Als Pelendor nach seiner Tochter suchte, dessen Spuren der Verwüstung fand, verlor er seinen Verstand und in seinen Augen spiegelte sich nur noch Hass und Verderben. Seit jener Zeit wurde er ein gebrechlicher, kaltherziger Mensch und still und stumm verharrte er in Schuldgefühle. Dies waren die letzten Bilder von seinem Vater, an denen sich Falador nur noch erinnern konnte. Aus Verweiflung suchte er die Ebenen von Celebrant auf, durchstreife die Braunen Lande und die Rittermark, bis er sich in den Schatten zurückzog und den Weg eines einsamen Waldläufers auf sich nahm.

Seine Raubzüge brachten keinen Reichtum ein, sondern nur soviel, wie er für das Überleben benötigte. Er bereicherte sich stattdessen an seinen Erfahrungen. Sein Geschick sich zu Verstecken, an fast jede Wache vorbei zu schleichen, brachte ihn fast sogar Ruhm ein, allerdings nur in ebenso zwielichtigen Gesellschaften, die er zugehörig war. Sein Schicksal verlor sich in seiner Absolution, Ork-Häuptlingen meuchelnd, für die Schandtat an seiner Schwester vor Jahren zu verantworten. Seine Taten blieben nicht im Verborgenen, die sich schnell herumsprachen, ebenso in den Liedern der Menschen, als auch in den Gerüchten und Geschichten der Orks.

Obwohl Waldläufer eher die Einsamkeit aufsuchten, vermachte es ihm die Seestadt Esgaroth aufzusuchen, wo er seine Frau und Ehegattin Ainariël kennen lernte. Mit der Zeit verheilten die tiefen seelischen Wunden Faladors soweit, dass er seine Fähigkeiten im Kampf und in der List den Streitheeren der Menschen von Esgaroth zur Verfügung stellte. Als sein Sohn Falandir schließlich geboren wurde, war Falandir bereits ein ansehnlicher Hauptmann, dessen alten Schandtaten in Vergessenheit gerieten.


Im Dritten Zeitalter des Jahres 2941 sollte der Frieden seiner Familie für immer verstummen. Es war das Jahr des Drachen Smaug, als er die Tür vom Einsamen Berg zerschmetterterte und in rasender Wut auf die Stadt zuflog. Die meisten Menschen der Seestadt waren in ihren Häusern, denn der Wind wehte kalt aus dem Osten und sie froren. Ainariël hielt Falandir auf dem Arm, wärmte ihn, in Decken eingehüllt, und vor den Kamin sitzend, während sein Vater genüsslich seinen Pfeifenkraut rauchte. Da leuchtete plötzlich in den Vorbergen, am Ende des Sees, ein helles Licht auf, wie schieres Gold zu glühen.

„Der König unter dem Berg!“ schrie die Menge. „Sein Kronschatz schimmert sonnengleich, sein Gold trägt jeder Fluss im Reich!“, riefen sie.
Überall öffneten sich Fenster. Sie schauten dem grellen Licht entgegen, das sich in weiter Ferne bildete, aber sich rapide näherte. „Zu den Waffen, zu den Waffen. Der Drache kommt!“, rief ein Mann mit grimmiger Stimme. Immer gewaltiger, blendend heller wurde die Gestalt, wie ein bedrohender Schatten der sich ihrer bemächtigt. Falador handelte schnell. Legte ein Mantel über seine Frau, griff zu seinem Waffenbündel und legte seinen Kapuzenumhang um. Einen Augenblick lang denkend und schweigend verhüllt, schaute Falador in die verunsicherten Augen der Mutter seines Kindes.
„Bleibe nicht im Haus! Suche den See auf, nimm ein Boot und fahre fort! Hier ist es nicht mehr sicher!“, forderte er.
Ehe sie das Wort ergreifen konnte, packte er sie am Arm und riss sie aus dem Haus. Die Straßen waren überfüllt, denn jeder Krieger war in Waffen, jeder Bolzen und jeder Pfeil lag griffbereit, jedes Gefäß mit Wasser gefüllt. Mitten in das Geschrei und Jammern brach der Drache über sie herein. Innerhalb der Flut der Menschen liefen sie beide zum See, als der Drache brüllend über sie hinweg flog. Ein Hagel dunkler Pfeile fauchte ihm entgegen und prasselte gegen seine Schuppen oder entzündeten sich in Smaugs vernichtendem Atem. Falador erblickte den Mann mit der grimmigen Stimme, der den Bogenschützen Mut zu rief. Seine einzig erloschene Flamme entzündete sich erneut, Kampfeslust und Blutdurst, allerdings aus anderen Gründen, die nicht aus Wut sondern durch den Mut der Menschen entfachte. Er hielt inne und umarmte seine Familie, küsste Ainariël auf die Stirn und lächelte. Dann verloren sie ihn in den Massen.
Feuer schoss den Drachen aus dem Maul. Für eine Weile kreiste er hoch in der Luft und erleuchtete den ganzen See. Den Feuersturm erfasste ein Haus nach dem anderen und es krachte zusammen. Kein Pfeil hielt Smaug zurück, keiner verletzte ihn mehr als ein Mückenstich drüben in den Sümpfen. Schon sprangen an allen Seiten der Inselstadt die Menschen ins Wasser. Frauen und Kinder flüchteten in die Lastboote des Markthafens. Kummer und Trauer herrschten, wo vor noch gar nicht langer Zeit die alten Lieder über die Zwerge und die kommenden frohen und heiteren Zeiten erklungen waren. Falador rannte zu der Schar Bogenschützen, die zwischen den brennenden Häusern stand hielten, spannte seinen Bogen und legte einen Pfeil in die Sehne. Als er den riesigen Schatten im Himmel erblickte, fühlte er eine Vertrautheit, die er bei den Meuchelmorden empfand. Der Pfeil verließ die Sehne und zischte geradewegs gen Drachen entgegen, doch prallte wie bei einer Steinmauer einfach von den Schuppen ab. Sein Ehrgeiz verlor sich in seinen Gedanken, einem Koloss gegenüberzustehen und zum ersten Mal nichts ausrichten zu können, so dass er regungslos blieb. Dennoch hörte er die grimmige Stimme erneut, die ihm Hoffnung schenkte. Es war Bard mit dem steinernen Gesicht und führte die Bogenschützen an, als plötzlich über ihn eine Feuersbrunst den Platz erhellte. Nur den Ruck spürte er, als Falador ihn zu Hilfe kam und - Brennungen erlitt. Dicht neben Bard prasselten die Flammen nieder - unter ihnen war mein Vater. Die Männer löschten ihn - er war für immer entstellt. Seine Schmerzen verloren sich in jenem Augenblick, als er Ainariël weinend, ihren Sohn noch immer in den Armen, in der Mitte des Platzes sah, zurückkehrt aus Angst ihn zu verlieren, dicht neben ihr die brennenden Feuerwände und über ihr der bedrohende Schatten, der sich ihr näherte. Die Schreie Faladors übertönte das Gejammer der Menschen, worauf auch Bard aufmerksam wurde und gerade zu sich kam. Falador krümmte sich am Boden und versuchte seiner Familie zur Hilfe zu eilen, doch konnte er es nicht. Der Feuerball vermochte niemanden aufzuhalten. Der Schutz, den sein Sohn Falandir in diesem Augenblick hatte, war die sterbliche Hülle seiner eigenen Mutter. Durch ihr konnten die Flammen nicht gleich zu ihm hindurch dringen bis Bard ihn noch rechtzeitig aus den brennenden Händen seiner Mutter befreite, woraufhin mein Vater sein Bewusstsein verlor. Bard überließ Falandir einen Offizier und stellte sich erneut dem Kampf gegen die Kreatur. Er zog die Bogensehne bis ans Ohr. Der Drache flog niedrig kreisend zurück. Der große Eibenbogen schwirrte und der schwarze Pfeil verließ in gradem Flug die Sehne, geradewegs hinauf zu jenem stumpfen Fleck in der linken Brustseite, über dem sich die Vordertatze zum Schlag erhoben hatte. Der Pfeil schlug ein und mit einem Schrei, der Menschen ertauben ließ, Bäume fällte und Steine zersplitterte, schoss Smaug feuerspeisend in die Höhe, überschlug sich und krachte von oben zu Tode getroffen herab. Was mit dem neugekrönten König von Thal Bard I. geschah ist allerdings eine andere Geschichte.
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Die fürstliche Verpflegung auf Anordnung Bard I. persönlich Falador zu gute kam, heilte ihn allerdings nur oberflächlich. Seine Wunden drangen tief erneut in sein Herz, dessen er bewusst wurde, was er verlor und was ihm blieb. Seine Augen waren weit geöffnet, aber dennoch zeigte er keine Reaktion. Er lebte zurückgezogen und in seelischster Trauer. So fiel Leid ist ihm widerfahren, so viele Tote. Er erschien auch nicht zur Siegesfeier, zu Ehren ihm gebühren war, dessen Rettung des Königs alle ein Recht hatten, dies zu erfahren. Stattdessen nahm er seinen Sohn und ging fort, allein unter wandelnden Bäumen und dem dichtem Taunebel des Düsterwaldes, über die Alte Furt zu Elronds Haus. Litheth und Aglarhílol nahmen sich seinem Jungen an, wie einst Beltharim, der Großvater von Pelendor, dessen Freundschaft schon viele Jahre lang andauerte. Aglarhílol bestand allerdings darauf ihn zu begleiten, mit der Hoffnung, ihn in seiner Trauer beizustehen und ihn wieder auf den Pfad der Vernunft zu führen.

Falandir sah seinen Vater und Aglarhílol viele Jahre nicht mehr, während er bei seiner Elbenmutter aufwuchs. Es war das Zeitalter der letzten Zusammenkunft des Weißen Rates, als Saruman vor gab, er habe entdeckt, dass der Eine Ring den Anduin hinunter ins Meer gespült worden sei und sich nach Isengart zurückzog. Es war jener Tag als unerhofft sein Vater erschien. Das erste Mal, leiblich in Gestalt, die mit viele Narben verziert und mit Brandflecken erfüllte war. Seine Haut fühlte sich an wie hartes Leder. Falandir empfand für ihn aber keine Vaterliebe, dessen er sich bewusst war. Er sprach mit ihm auch nicht viele Worte. Er hatte andere Absichten ihn wieder zu sehen und führte ein langes Gespräch mit Litheth über seine Rückkehr.
In dieser Nacht, welche die Letzte für Falandir in Bruchtal sein würde, trat sein Vater in sein Zimmer, zerstreut in Gedanken und mit der einzigen Bitte, ihn zu begleiten. Der Junge scheute sich mit ihm zu gehen, doch Litheth unter tränenden Augen pflichtete Falador bei. Er hatte sie niemals in solch tiefster Trauer erlebt. Sie zu verlassen erschien Falandir ebenso schwer und ungerecht, so weinte er, vor Angst, sie nicht wieder zu sehen.
„Du wirst es eines Tages verstehen. Nun geh, ich folge deinem Vater. Ihr müsst fort, ihr seid hier nicht mehr sicher. le linnon im Falandir.“, waren die letzten Worten seiner Elbenmutter.


Die Tage wurden dunkler und mit der Hoffnung erfüllt zu erfahren, warum sein Vater nach langer Zeit ihn aus sein friedliches Leben riss. Die durchdringliche Stille, die von seinem Vater ausging, umhüllte ihn, wie ein Schleier. Er sprach kein Wort bis zum fünften Tage ihrer Reise. Dann erfuhr er die ganze Wahrheit, den Teil vor seiner Geburt, Smaug’s Schicksal und dessen Folgen.
Die dunklen Tatenseines Vaters blieben nicht in Vergessenheit. Zu den schlimmen Tagen an denen viele Orks ihr Leben an der Mordbelustigung Faladors verloren, worunter auch ansehnliche mächtige Heerführer Mordors und Angmars gehörten, wurden Jene ausgesandt, seinen Vater zu töten und all jene, dessen Blutslinie auf eine lange Geschichte der Könige von Arthedain beruhte. Falandir erfuhr von der Flucht aus den Braunen Landen, den Emyn Muil, als sie von den Heeren Mordor’s verfolgt wurden. Für Aglarhílol gab es leider keine Hoffnung. Als sie versucht hatten den Anduin zu überqueren, haben sie ihn am Flussufer geschnappt und fortgeschleppt. Aus seiner Folterungen erfuhren sie von Falador und seine Herkunft, von seine Vorfahren und von seinem Blut, das durch seine Adern floss, jene Abstammung, die der Herr des Schattens so sehr hasste. Er sandte Zwei von den Neun, dessen Leben gepeinigt von ihrem Herren, verlucht von dem Einen Ring überdauerte. Sie sind ihm auf der Spur und somit schwebte auch sein Sohn in Gefahr. Seine List schenkte ihm einige Wochen, doch nicht genug, um Falandir rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
„Wenn man der Gefahr trotzen will, dann stelle dich dem Feind, aber handle mit List, womit er nicht rechnen wird.
Eine kleine Scharr von Dunedain aus Gondor werden dich deiner annehmen. Unter ihnen sind einige der Waldläufer von Ithilien und ein Halbelb, der sie anführt. Er wird dich lehren, wie du den Feind trotzen kannst, auch wenn es aussichtslos erscheint. Hüte sein Wissen! Bewahre, was er dir anvertraut. Eines Tages wird es dir von nutzen sein!"


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Es waren keine Orks, die sie verfolgten. Das Geschrei der Nazguls hörte man jetzt deutlich, schmerzvoller als zuvor, wie eine Wunde einer Klinge, brannte es in den Ohren. Sein Vater zuckte das Schwert aus der Scheide, das schimmernde Metall suchend. Dann plötzlich trat einer von den Neun aus den Schatten. Sein Ross, pechschwarz und mit glühenden roten Augen, sein Blick durchdringend, lief Falador ihnen entgegen. Und hinter ihnen, ein weiterer Diener von Morder, stieg vom Pferd ab und zog sein Schwert.

"WEICHET VON MEINEM SOHN!“, schrie der verweifelte Vater und schwang sein Schwert. Es kreuzten sich die Klingen. Als des Schwertes des anderen den Kampf suchte, mit einem Dolch aus dem Hosenbein ziehend mein Vater dessen Angriff parierte, und elegant mit der anderen den Feind auf Distanz hielt, hielt Falandir stattdessen den Atem an. Welch Geschick im Umgang mit zwei Waffen, als würde sein Vater um die Nazguls tanzen. Aber er war nicht gegen die Bosheit gewappnet. Aus den Reihen des Kampfes trat einer aus, suchend den Jungen, um die Stärke seines Vaters zu bändigen. Als der Schatten auf Falandir zu trat und sein Schwert erhob, eilte Falador herbei, warf seinen Dolch, doch dieser verlor sich im Schatten. Der Nazgul lachte und widmete sich wieder seinen Sohn. Falador stieß die Klinge seines Schwertes in den Hinterkopf des Einen, doch es schien kein Leben unter seinem dunklen Gewand zu existieren. Dann durchbohrte eine scharfe Klinge stattdessen seinen Brustkorb. Er schrie und fiel auf die Knie. Er schaute Falandir in die Augen und rief mit letzter Kraft ihm zu:
„Flieh, du Narr!“
Dann enthaupteten sie ihn. Sein lebloser Körper fiel zu Boden und Falandir blieb stumm. Seine Angst lähmte ihn, ließ ihn erstarren und er konnte nicht fortlaufen, auch dann nicht, als die beiden Nazguls sich ihm näherten. Er hörte nur ein Zischen, dicht an seinem Ohr vorbei, als einer von den Beiden aufschrie, mit einem entsetzlichen Geschrei, das seine Sinne in den Wahnsinn trieb. Dann erfolgte das zweite Zischen. Ein brennender Pfeil flog aus dem dunklen dichten Wald und durchdrang die Kehle des Zweiten. Aus der Dunkelheit stieg eine ebenso düstergekleidete Gestalt empor, in der einen Hand eine Fackel, in der anderen ein Schwert, und stellte sich ihnen. Ihre Angst vor dem Feuer ließ sie den Kampf abbrechen und fliehen. Verhüllt in der Kapuze konnte Falandir die Person nicht erkennen, die ihm geholfen hatte, dennoch fürchtete er sich vor ihr. Als sie sich näherte, kroch er auf allen Vieren und drückte sich fest gegen einen Baumstumpf. Dennoch reichte sie ihm die Hand.
„Hab keine Angst. Ich bringe dich fort von hier.“, sprach er mit ruhiger Stimme.
„Wer seid ihr?“, wunderte er sich.
„Ein Freund, aber nenn mich Amdir!“
Falandir fiel es schwer von seinem Vater Abschied zu nehmen. Amdir trat zur Leiche, kniete vor ihr und sprach Worte in einer fremden Sprache. Falandir verstand nicht was er tat. Kannte er ihn? Womöglich von früher? Dann kehrte er zu ihm zurück, in der Hand den Umhang seines Vaters. So verließen sie den Ort und kehrten nie wieder dorthin zurück.
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Falandir
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Re: Falandir, Falador's Sohn

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II

Lehren der Agar Teryn

(irgendwann zwischen 2953 bis 2959 DZ)
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Trübheit empfängt eine kleine Lichtung unweit eines steilen Hanges inmitten ruheloser Laub- und Nadelbäumen, die gegen das Glitzern prunkvoller Blätter, auf dessen Mittelrippen sanft Regentropfen schmiegten, sich zur Wehr setzten. Sie verstand es, der Ebene die Schönheit zu rauben und sie ins Dunkel zu treiben, dort wo sie verkümmert, aber zu neuem Glanz reift und zurückkehrt, schöner den je. Selbst dann, wenn sich das Herz mit Hass erfüllt und nur Leid empfängt, gibt es die Hoffnung nicht auf, erneut in voller Blüte zu erstrahlen. Nicht jede Wunde vermag vollständig zu heilen, aber sie lehrt uns, sie zu ertragen und vielleicht sogar uns zu stärken. Und wie Falandir den Schmerz widerfuhr, so wird er lernen müssen mit ihm umzugehen. Geduld, die zur Reife benötigt wird, ist bereits ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.

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„Deine Wachsamkeit ist durch deinen Verstand erblindet. Lass sie von deinen Gefühlen leiten!“
Nur zwei vermummte Gestalten ließen sich durch dem tristen Nebel deuten, bewaffnet mit provisorischen Stahlschwertern und mit standhafter Haltung dem anderen gegenüber. Der eine reichte dem anderen gerade bis zur Brust, aber stets wies der Ältere ihn immer wieder darauf hin, dass Größe allein nicht den Kampf entschied.
„Hoffentlich richtet sich die Größe der dort lebenden Tiere nicht nach der Höhe der Berge.“
„Dennoch sind sie der Witterung ausgesetzt und nur ihre Widerstandskraft kann sie vor dem Fall bewahren. Wäge den Kampf nicht im Vorhinein aus, sondern nutze die Schwächen deines Gegners und verwende sie gegen ihn.“
Mit tobendem Gebrüll schlug das Stahl aufeinander und nur ein kurzer Schlagabtausch folgte, bis der Jüngling wieder einmal scheiterte und erneut Schmerzen erlitt. Von der Wucht wurde er aus seiner wackeligen Haltung gerissen und er stürzte zu Boden. Der steinige Untergrund und dessen scharfe Kanten schnitt seine Kniekehlen blutig, zugleich das Wasser des fließenden Baches seine offenen Wunden kühlte.
„Steh auf, Falandir! Steh auf!“
Er spuckte seinen Speichel aus, der sich in seinen Mundwinkel angesammelt hatte. Stundenlang erduldete er diese Quallen der Niederlage. Er kniff seine Augen zusammen und staute seine Wut, die er mit tosendem Donner freisetzte und sich auf Eradir stürzte. Doch das beeindruckte den Halbelben nur wenig und nutzte stattdessen diese Schwäche, um ihn erneut auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.
„Nun war es dein Zorn, der dich erblinden ließ. Nicht Wut oder Hass soll dein Arm leiten. Spür die Waffe, die du in deinen Händen trägst. Spüre das Gewicht und balanciere es auf der Spitze deines Schwertes. Sie ist es, die den ersten Streich spielt. Nutze die Leidenschaft in deinem Herzen, um deinen Körper mit der Umgebung zu vereinen, zu spüren, wie sich deine Position zu deinem Gegner verhält. Komme ihn nicht zu nah, doch entferne dich nicht zu weit von ihm. Du wirst es noch lernen, dies besser einzuschätzen.“

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Die blassblaue Farbe, die zu jedem neuen Morgen auf dieser Welt neugeboren wird, schwindet nun unter dem Schein der Mittagssonne. Sie gingen einen scheinbaren Pfad hinauf. Das Gras und die Büsche wurden nur leicht geknickt, doch von einem Trampelpfad weit entfernt, war hier kein reger Verkehr zu erwarten. Er führte lediglich von einem kleinen Bach, um Wasser zu schöpfen, zurück in das spärliche Lager der Waldläufer. Spärlich, denn sie neigen dazu, wenig zu hinterlassen um möglichst ungesehen durch Ithilien zu streifen. Dem Feinde so nahe, hätte man sich anderweitiges nicht leisten dürfen. Falandir beobachtete sie genau: so verschlossen, so beängstigend, so schön.
Er lebte inmitten dieser ungewöhnlichen Menschen. Ihre Zurückhaltung faszinierte ihn, denn wenig gaben sie von ihrer Persönlichkeit oder Religion preis. Wenn sie sprachen, waren sie stets freundlich zueinander, alle lächelten, verbeugten sich. Und dennoch - ihre Gedanken behielten sie meist für sich. Daher begegnete man ihnen überwiegend mit Nichtachtung, als wäre man ein streunender Hund oder ein unerwünschter Gast. Doch unter ihrer Verschwiegenheit entdeckte man einen reichen Vorrat an Gefühl. Es ist ein Volk voller Rätsel. Vom Augenblick an dem sie erwachten, streben sie nach Perfektion, in allem was sie tun. Nie zuvor hatte Falandir ein so hohes Maß an Disziplin erlebt.
Bevor sie das Lager jedoch erreichten, hielt Falandir an einer Anhöhe, krümmend vor Schmerzen. Eradir hingegen fasste ihn am Arm und zerrte ihn neben sich her, statt sich um seine Verfassung zu kümmern. Er ignorierte den Protest von Falandir einfach.
„Wir fürchten uns wohl vor dem Schmerz? Wenn wir anfangen, unser Versagen nicht mehr so ernst zu nehmen, so heißt das, dass wir es nicht mehr fürchten. Es gibt fast nichts auf der Welt, dessen man sich nicht entledigen kann, wenn man sich einmal dazu entschlossen hat. Du hast dich auf einen Pfad begeben, also finde sein Ende oder du selbst bist verdammt. Schmerz leert nur deine Entschlossenheit, aber dein Wille fühlt sie stattdessen.“
Mit flehenden Tränen übergossen ließ Falandir seine Wehr ruhen. Aber sie verschaffte keine Linderung, sondern erzürnt nur seine Wut gegenüber Eradir, der sich anscheinend über sein Wohl keinen Kummer bereitet. Er zog Falandir vor sich und kniete sich zu ihm hinunter.
„Hab Geduld. Jeder Schmerz vergeht. Erzürne seine Erholung nicht, sondern akzeptiere ihn. Bleib deinem Willen treu. Er ist über den Schmerz erhaben. Wir können uns nicht aussuchen, wie es um uns ergeht. Lerne ihn kennen, so wirst du ihn akzeptieren. Bleib entschlossen deinem Willen treu.“

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Eradir vernachlässigte den Händedruck, der den Arm von Falandir noch immer fest umschlug, bis er schließlich ganz verging. Er zog seine Hand zurück und richtete sich wieder auf. Mit blassen grünen Augen sah Falandir seine Bewegung nach und erhoffte Linderung nach seinen Worten, doch wieder ergab sich jene Chance nicht. Stattdessen ließ er sich geschlagen zu Boden fallen, wie der Gefallene, auf dem goldbraunen Schlachtfeld.
„Steh auf, Falandir, hab vertrauen!“
Seine Tränen begannen zu trocknen und wimmernd schaute er zu Eradir hinauf. Er lächelte und schwieg. Schenkt er seinen Worten vertrauen, nachdem er Falandir seinem Schicksal überließ? Statt sich seiner Wunden anzunehmen, zeigte er kein Erbarmen, hingegen sollte er niemals seinen Weg aus den Augen verlieren. Keine Fürsorge, keine Einsicht und nicht einmal Reue schien in Eradirs Augen zu ruhen, in dem er sich nicht einmal dafür zu interessieren versuchte, um welches Leiden es sich genau handelte. Es hätte durchaus eine ernsthafte Wunde sein können, die Falandirs Bewusstsein hätte stehlen können. Warum sollte er ihm vertrauen?
„Du bist gefallen, Falandir. Nun hab vertrauen und steh wieder auf!“, nie zuvor ernster war seine Stimme mit Beginn dieses Satzes. Stets freundlich und bedacht, doch nun ernst, verwogen – man möge glauben, vieles, was ungeklärt oder missverständlich für einige war, soll nun mit den Worten aufgeklärt werden.
„Wieso soll ich euch vertrauen, der mich mir selbst überlässt und zurücklassen würde.“, traurig und erschüttert war hingegen Falandir, so zornig war seine Stimme.
„Keine Worte eines Mannes, seinem Tun oder Unterlassen, können dir jenes vertrauen geben, eines, das nur in dir selbst ruht. Eines, das Dir das Leben schenkt, obwohl andere es längst aufgegeben haben. Eines, das dem anderen das Leben nimmt, wenn du fest daran glaubst und deine Hand sie führen lässt, die mit dem Schwert den Streich ein allerletzes Mal spielen wird. Sie ist wie eine Melodie und eine unter vielen, die untereinander ein Meisterstück entfalten kann.“
„Ich verstehe nicht!“
„Sieh auf die Inschrift deiner Klinge!“
Gemeinsam werden wir fallen
„Von Anbeginn führst du jenes Schwert, auf das du vertraust – dir das Leben rettet oder dein Tod bedeutet. Du stelltest keine Fragen, du hattest nichts verlangt. Doch blind war dein Vertrauen zu der Klinge, die deine Hand führte. Viele vertrauen auf das, was sie sehen, wenige auf das, was sie fühlen. Du hast dich für die Klinge entschieden und das hast du auch bereits für mich getan!“
Wie aus einem Traum heraus, blickte er in die Augen seines Mentors, wobei ihn nicht einmal bewusst zu sein schien, dass er bereits auf beiden Beinen stand und für einen Augenblick den Schmerz vergaß. Aus den Worten Eradirs konnte er sich noch keinen Reim bilden, aber sie haben tief in seiner Seele etwas bewirkt. Um die Gedanken daran zu festigen, bedarf es noch einige Zeit.

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Die Glut einer Asche verblasst in vielerlei Hinsicht. Die Abendröte tut seines gleichen, als ihr warmes Licht sich wandelte und jedem sein sanftmütiges Gefühl der Anmut stahl. Trist war die Stimmung im Lager. Still waren ihre Besetzer.
„Setz Dich und iss!“, wies Eradir ihm eine Stelle zu, wo er sich setzen und etwas essen konnte. Der junge Falandir ließ sich vor Erschöpfung auf seinen Hintern fallen, während ein älterer Mann neben ihm eine Schüssel reichte.
„Suppe?“
„Hab ich eine Wahl?“
„Du isst, was man dir anbietet! Deinen Zynismus kannst du dir gleich abgewöhnen!“
Falandir nahm dem alten Mann schmollend die Schlüssel ab und schlürfte die Suppe aus. Als sie leer war, rülpste er genüsslich und ließ sich auf den Rücken fallen. Kichernd beobachtete er die Unruhe der Baumkronen. Der nackte Sonnenschein, der sich durch die Wipfel der Bäume seinen letzten Weg durch jeden Schlitz bahnte, weckten seine Gefühle um den Fall seines leiblichen Vaters im Düsterwald.
„Kann der Mensch sein Schicksal ändern, Eradir? Wenn man weiß, worauf man zu steuert?“
„Du denkst wieder an deinen Vater?“, musterte Eradir Falandir erkennend genau. Er gab ein Nicken zur Antwort. „Ich glaube, der Mensch tut was er kann, bis sich sein Schicksal offenbart! Seines war es mir eine Hilfe zu sein. Deines wird es sein, diese fort zu führen.“
„Was für eine Hilfe genau?“
„Ich suche schon mein ganzes Leben nach dem, was meiner Mutter nicht gelang.“
Falandir richtete sich auf. Diese Offenheit von Eradir war ihm fremd, genauso die Geschichte, die sich anbahnte. Der alte Mann stand auf, als Eradir ihm mit einem Blick dies als Bitte zu erkennen gab.
„Es wird Zeit, dass du davon erfährst. Ich will es so, denn dein Vater war mir ebenfalls eine große Hilfe. Seine Errungenschaft ließ uns wieder nach vorne blicken. Offenbaren, was verschlossen war. Die Lehren der Agar Teryn sind nun nicht mehr verloren!“
„Agar Teryn?“

„Die Dunkelheit sei unsre Welt,
entsagt der Himmel Sternenzelt.
Agar Teryn soll man uns nennen
die, die keine Hoffnung kennen.

Geboren in tief dunkler Nacht,
ein jeder steht des Freundes Wacht.
Dies ist der freien Völker Not,
von Bruder zu Bruder bis in den Tod.“
„Die vollkommene Blüte ist selten. Man kann sein ganzes Leben nach ihr suchen und es wäre kein verschwendetes Leben: das Vermächtnis meiner Familie. Ich bin nun der Erbe und Hüter ihrer Lehren. Sie wieder aus dem erstarkten Schatten ans Licht zu führen, war die Bitte meiner Mutter. Doch war es dein Vater, der das Siegel fand. Erst mit jenem Fund waren die Zeichen eindeutig.“
„Zeichen?“
„Viele Dinge, wie unterschiedliche Religionen oder Länder, sind durch ein Symbol gekennzeichnet. Selbst Gefühle oder Eigenschaften, die manch einer besitzt, können solch ein Zeichen besitzen. Stark wie ein Bär oder flink wie eine Maus kann manch einer sein. Jenes Siegels, das dein Vater fand, offenbarte, wie man das Vermächtnis erlangen kann. Die Zwillingsbäume, die einst meine Vorfahren als das Erkennungszeichen der Agar Teryn auswählten, waren um vier Symbole angeordnet. Es waren tapfere Krieger unterschiedlicher Rassen, die ein Bündnis schlossen, um sich der Übermacht aus Angmar und sich ihrem Schicksal am Amon Sul zu stellen. Ihr Vertrauen einander und ihre Entschlossenheit den Pfad zu halten, ließen ihre Herzen höher schlagen, um standhaft zu bleiben. Die Leidenschaft im Kampf und ihr Ehrenmut sich den Tot zu stellen, vermachte ihnen schließlich unvorstellbare Kräfte, die ihren Gegner erzittern ließ.“
„Ist dies das Vermächtnis?“
„Sie zu erringen liegt aber nicht einem Einzelnen zugrunde. Erst dann, wenn sich der Bund einander schließt, sei dies möglich, so heißt es in der Überbringung.“
„Warum erzählt ihr mir das?“
„Es wird die Zeit kommen, dass du meine Aufgabe fortführen wirst. Ich kann dich nicht alles lehren. Einige Wege musst du alleine gehen. Erfahrungen erlangst du nur durch eigenes Leiden und Vergeben.“
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Re: Falandir, Falador's Sohn

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III

Auftakt eines Heerführers

(2962 bis 2974 DZ)
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Re: Falandir, Falador's Sohn

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IV

Schatten ohne Licht

(unbekannt)
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Re: Falandir, Falador's Sohn

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V

Anblick seines Willens

(irgendwann zwischen 2974 bis 2979 DZ)
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Die eisigen Winde hauchten den Gräserspitzen ein ebenso unbehagliches Flüstern zu, wie es die Menschen aus Gondor empfanden. Die flatternden Banner peitschten aneinander, von stolzen Männern auf edlen Ross getragen, spiegelten sie ihre bedrohende Streitmacht wieder und verunsicherten den Feind in seiner Unterlegenheit. Die erfrorenen Grashalme knickten unter den mächtigen Hufsohlen widerstandslos ab und das Dröhnen ihrer überlegenden Gewalt hallte über die Ebene nieder. Über den Höhezug marschierte das Heer der Korsaren kühn den Reitern entgegen. Hinter ihnen wuchsen die schneebedeckten Zipfel einer Gebirgskette hinauf zu den luftigen Höhen, danach ringend und greifend erschienen sie anmutig den Beschützer des Landes beizustehen. Ein Horn ertönte herrisch über den Gebirgspfad und alarmierte den bevorstehenden unausweichlichen Kampf. Unbehaglichkeit schien Eradir immer wieder in den Reihen seiner Gefolgsleute zurückzublicken, während ihm ein anderer ermutigend zunickte. Aus seiner reich verzierten Scheide zog er unter schweren Atem ein großes Schwert, als der Zeitpunkt dem Feind gegenüberzutreten nahe genug war.
Die Männer waren still ihrem Führer zugewandt, als er ihnen mit seinen Worten Mut vermachte. Schwerter und Schilde schlugen einander, Lanzen und Speere stampften zu Boden und die Männern brüllten und spotteten den Feind zu. Dann verging der Moment der Stille und verhasste Blicke erfüllten die Ebene, bis erleichtert ein weiterer Hornstoß sie erzittern ließ. Die Hufe krallten sich in die Erde und schmähten jedes Hindernis. Die Stiefel der Korsaren erdrückten das letzte erblichene Grün und wirbelten den abgesetzten Staub ihrer Verfolger ins Gesicht. Unregelmäßig reflektierte das schwingende Metall aus der Ferne betrachtet und verlor sich im Geflecht der Balgerei. Der Brustkorb der Pferde zerberste die Schultern der Korsaren oder erschlug sie in einer bewusstlosen Starre, während ihre Reiter durch einen Hieb die Gliedmaßen abtrennten oder mit einem Speer ihre Rüstung durchschlugen. Einige von ihnen wurden dennoch durch einen gezielten Wurf der Korsaren zu Fall gebracht. Ihre Keulen verwendeten sie, um den eisigen Helm der Gefallenen zu erdrücken, der unter den Folgeschäden den Tod erlitt. Ehrfürchtig schmetterten die Stähle der Klingen jener Krieger nieder, die dem Pferd entsagten oder es verloren und sie tränkten die Erde mit dem Blut ihrer Feinde. Wagemutig blieben dennoch die Korsaren trotz ihrer Verluste standhaft und schickten einen Pfeilhagel in die Reihen der Angreifer. Eradir hielt unbehaglich seinen Platz bei seinen Gefährten und blickte der anstürmenden Gefahr entgegen. Ein Pfeil traf ihn ruckartig in seiner Schulter und warf ihn vom Pferd. Der harte Boden vermochte seinen Sturz nicht abzufangen, so erlitt er Prellungen, dass er keuchend nach Luft schnappte. Er schleppte sich an den Hang und blickte hinab in die tobende Schlacht. Unter dem Tumult kämpfte ein Mann verhängnisvoll, umringt von vier entschlossenen Kriegern, parierte er einzeln die versuchten Schwerthiebe, sein Leben zu beenden. Er umschloss das Heft seines Zweihänders und verlagerte die Spitze nur weitgehend zum Feind, um auf ihr die Balance zu führen. So entkam er einem Hieb, der sich anbahnte, seine Hüfte zu erreichen. Seinen somit schnellen, konternden Schwung nutzte er aus, den Korsaren überraschend die Klinge aus seinen Händen zu schlagen und ihn zu entwaffnen. Noch im selben Moment verließ seine linke Hand das Heft und ergriff seinen Dolch, der an seiner rechten oberen Hüfte befestigt war und schleuderte ihn den Korsaren entgegen. Die Augen des Korsaren schlugen auf, als er einen heftigen Ruck spürte. Aus seiner Fassungslosigkeit blickte er auf seine Kleidung hinab, die mit seinem Blut getränkt wurde und sich aus seinen Körper stahl. Er stürzte zu Boden als er die Besinnung verlor und begrub in jenem Moment sein Wissen und alles was er liebte unter die Erde.
Eradir beobachtete den standhaften Verteidiger seiner illusorischen Situation, der seinen Blick erwiderte, die sich bereits zu Beginn der Schlacht trafen. Er versuchte sich aufzustemmen, während eine Schar Korsaren den Hang erklungen. Der Heermeister erschlug seinen letzten Widerstandskämpfer nieder, als er die Südländer entdeckte. Seine Haltung verfiel in einer Starre. Sein Körper forderte seinem Führer beizustehen, doch sein Geist weigerte sich. Seine Augen flehten um mehr Zeit, Eradir zu erreichen, ehe es die Korsaren taten. Als ein Horn den Ruckzug der Korsaren befahl, blickte der Heermeister plötzlich auf. Sein Zweihänder plötzlich fest umschlungen, rannte er Hilfe eilend die Anhöhe hinauf, hingegen fliehende Korsaren den Weg hinab suchten. Doch ihr Leben verloren sie durch den aufgewühlten Heermeister, der sich nicht scheuchte, seinen Weg freizuräumen. Erst an der Spitze angelangt, verschaffte er sich einen Überblick. Eradir verteidigte sich tapfer, dennoch nur wie es seine Wunden erlaubten. Gleichwohl hätte die Klinge des Südländers seinen Weg in den Rücken Eradirs gefunden, wäre der Arm nicht von einem Zweihänder durchtrennt worden. Qualvoll krümmte sich der Feind vor Schmerzen, bis sein Leiden ein Ende fanden, als der Kopf des Mannes abgeschlagen wurde. Dann fiel Eradir in Falandirs Arme. Er legte seinen Führer sanft zu Boden und hielt seinen Kopf, hoffend auf ein Lebenszeichen. Leise öffnete sich Eradir’s Augen und blickten über die Schulter des Heermeisters. Ein riesiger Schatten verfinsterte die Ebene, der plötzlich aus einer Wolke heraus brach in die andere verschwand. Dann verlor er sein Bewusstsein. Falandir richtete sich auf und ging zum Rand des Hügels. Hinab blickte er in die Einöde, getränkt vom Blut der vielen Leichen. Dann fuhr sein Blick erleichtert weit hinauf und folgte einer Spur in den Wolken, die sich vom Schlachtfeld allmählich entfernte.
"Wer dumpfe morale Klischees bedient, stellt sich außerhalb meiner Ordnung."
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Falandir
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Re: Falandir, Falador's Sohn

Beitrag von Falandir »

VII

Stimme seiner Vernunft

(3018 DZ)
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Seine Erinnerungen starben vor seinen Augen, wie brennendes Laub, verschlingend, vom Wind gepeinigt und dessen Blätter entzwei riss und wie Asche davon wehte. Seine Hände zitterten nicht mehr. Er fand seinen Frieden gegen das ständige Verlangen, seine Vergangenheit gegen die Vernunft auszuspielen. Zur Rand der Klippe ist er gegangen und gesprungen, als die Schneide von Rahastas' Schwert die Seite von seinem Bauch aufschnitt. Sein Atem setzte aus, sein Blut gefror in seinen Beinen. Er glitt zu Boden, stieß mit seinen Knien den Holzboden in Splittern, bis dann die Dunkelheit übermannte. Sein Handeln überließ er seiner Sinne, während sein Vermächtnis ihn weiter quälte.
Stunden stand er auf den hohen Fels, wo das Licht der Sonne als erstes den Boden berührte und der Wind Lieder über den neuen Tag sang. Seine Augen folgten einen düsteren Schatten, der sich durch die Wolken schlängelte, ohne sich weit entfernen zu wollen und immer wieder zurückkehrend, bis erneut er von neuem beginnt. Er wusste, er würde auf ihn hören wollen, doch sein zurückgewonnener Wille hinderte ihn daran. Vorsichtig blickte er über die Felskante. Kieselsteine fielen vornüber in die atemlose Stille. Der Schatten vom Amon Sul bedeckte das trostlose Land und verschlang den Nordhang restlos. Die Kreaturen und ihres Gleichen, die dem Hexenkönig Treue schwören, zogen sich aus dem Einsamen Lande allmählich zurück. Das Licht der Sonne – wie hundert Tentakeln – breitete sich über das Land aus, riss Spalten durch die schweren Wolken und zeichnete die flüchtigen Orks, die das Licht so sehr hassten. Den Hang hinauf eilte ein hochgewachsener, robuster Mann zu Falandir. Er blickte zunächst zu seinem Anführer, dann versuchte er dessen Blick zu folgen.

“Wir hatten Glück! Ein Zufall war es, dass sie plötzlich verschwanden. Ihnen muss Fealug² das Fürchten gelehrt haben!“, sprach er voller Stolz.
„Es gibt keine Zufälle, Farleg!“, unterbrach Falandir ihn.
„Und kein Funken – und stamme er sogar von einem Drachen – war der Grund, dass sie den Weg nach Angmar einschlugen!“
„Dann lasst uns aufbrechen. Die Leichen wurden verbrannt, wie ihr es befohlen habt. Hier hält uns nichts mehr!“, fuhr Farleg ihm entgegen. Ein Nicken bestätigte seinen Aufruhr und beide folgten den Pfad hinab zu ihren Männern, die bereits gesattelt auf ihren Pferden warteten. Ein fester Druck auf seiner Schulter verweigerte seinen Fortgang.
„Bleibe nicht sehr lange fort, denn sie werden nicht lange auf euch warten.“, urteilte Eradir bedenklich.
„Was sie erwartet, will ich mit meinen eigenen Augen sehen!“, verteidigte sich Falandir. Der Druck auf seiner Schulter steigerte sich – nicht mit Schmerz ihn daran zu hindern, sondern ihm zu erliegen, würde er nicht zurückkehren. Als Eradir sich von ihm löste, stolzierte er wieder den Hang hinauf, dem Wind entgegen und im Zug flatterte sein Umhang unruhig, wie sein Herz. Die Waldläufer, die einst vor tausend Jahren an derselben Stelle standen, als sie tapfer den Amon Sul verteidigten, blickten der Gestalt entgegen.
„Es ist keine Zeit zu verlieren, Rohirrim. Wir setzen unseren Weg weiter südwärts fort. Möge den Feiglingen die Puste ausgehen und dass die Elben aus den Trollhöhen ihr Leben nehmen.“, appellierte Falandir zu seinen Söldnern gewandt und ließ Eradir und die Waldläufer zurück.


² Fealug (übersetzt Drachenfunken) ist das Zweihandschwert von Falandir, dass schimmert, wenn Drachen in der Nähe sind.


Die Hufe keilten den Boden in schmerzliche Erinnerungen, als der Morgen begann. Der Dunst und der Staub füllten die Lungen derer, die es wagten, der Gruppe zu folgen. Doch die arge Gewohnheit der Orks scheuten kleine Belange nicht. Ihr Durst nach Rache für die Gefallenen und die Zunft des Herrschers trieb ihren Wahn an, sich gegen die Söldner zu stellen, die zwar Ruhm, aber keine Ehre kannten. Ihr Ziel war bedingungslos, denn in erster Linie war es ihr Überleben, nicht aber die Vernunft Unschuldige in Not zu helfen. Sie waren Ausgestoßene unterschiedlicher Sippschaften oder Familien. Ihre Einsamkeit machte sie überdrüssig, wie auch ihre Grausamkeit nur von ihrem Zorn gespeist wurde. Nur Farleg, ein Reiter aus Rohan, gewann genug Vertrauen unter ihnen und führte einst die Gruppe an. Sie schlachteten Orks, verbrannten ihre Leichen und nahmen alle Wertsachen an sich, die zu feilschen lohnten. Waren es nicht genug, überfielen sie Handelskarawanen oder Dörfer der Menschen in den Nordhöhen bis sie ihren Hunger und Durst stillen konnten.
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Die letzten Sonnenstrahlen bedeckten das Land, bis sie schließlich hinter dem Horizont untergingen. Falandir stoppte ihren schnellen Ritt ab, als er seine Hand in die Luft hielt. Farleg schaute über seine Schulter und verstand die Anweisung seines Führers nicht.
"Es ist nicht mehr weit, bis wir die Brücke erreichen!“, rief Farleg und wendete sein Pferd und erspähte die Sorge Falandirs.
"Seht! Eine Staubwolke am Horizont. Sie verfolgen uns!"
Die Blicke der Männer fuhren nach hinten. Dunkar, der Dunkelhäutige, verbarg keineswegs sein Lächeln. Er griff nach seinen Säbeln und rief: "Dann sollen sie kommen! Wir bereiten ihnen einen herzlichen Empfang vor."
Falandir blickte hinab und schweifte in vergangene Erinnerungen. Er erkannte die Stelle wieder, wo er einst von Räubern überfallen wurde und sie seinen Ring an sich nahmen. Er betrachtete seine Hand ohne ein Schmuckstück an ihr zu spüren, geschützt durch einen elbischen Panzerhandschuh aus Bruchtal, die ihm einst seine Mutter schenkte, um nicht nur vor Hieben zu schützen, sondern auch sein schreckliches Mal zu verbergen. Dann blickte er entschlossen auf: "Lasst sie kommen und wissen, dass sie mehr zu fürchten haben, als die Peitschen ihrer Herren!". Daraufhin lachte Dunkar so erbittert kalt, dass einige Männer mit ihren Pferden Abstand von Dunkar ersuchten.
Die dunklen Gestalten verwischten ihre Spuren und ritten abseits der Wege, versteckten ihre Pferde, spitzten Pfeile, schärften ihre Klingen und warteten sehnsüchtig auf den Feind.


Die bitterliche Kälte der verwunschenen Winde kroch allmählich durch jede Faser ihrer Kleidung. Dunkar als Südländer litt unter ihr am meisten.
"Mich dolcht, wäre die Nacht nur einen Deut heller, wären die Orks bereits allein durch unseren Atem alarmiert!", motzte er zitternd zu seinem Nachbarn. Er kniff seine Augen weiter zusammen und versuchte eine Bewegung ihrer Verfolger zu erkennen, doch vergebens, ohne das vom Mond spendende Licht konnte er keine Meter weit schauen. Abwechselnd schnaubte und seufzte er unruhig, und immer in kürzer werdende Abstände, dass er zunehmend seinen Nachbarn damit ärgerte. Er kroch aus seinem Versteck und stupste Dunkar gegen die Schulter. Erst jetzt erkannte man, dass sich die Beiden eine Anhöhe hoch oben auf einem Baum suchten.
"Halt endlich die Klappe! Du verrätst uns noch mit deinem Gejammer!", fauchte er Dunkar ins Ohr, der es gemächlich ignorierte. Stattdessen spottete er weiter über ihre Lage:
"Was ist es, dass uns den Glauben gibt, dass nicht die Orks bereits einen Hinterhalt erwarten?" Der Nachbar schüttelte nachdenklich den Kopf:
"Wir halten uns an die Anweisungen von ihm!" und versuchte Falandir zu erblicken, doch die Dunkelheit hinderte ihn daran.
"Seit er in den Nordhöhen zu uns gestoßen ist, hat sich einiges geändert." Dunkar drehte neugierig seinen Kopf:
"Er ist erst kürzlich euer Führer?", wunderte sich der Südländer.
"Dol Dinen war trostlos, aber nicht unbewohnt. Das Glück war zerronnen, als wir mit der dort eins gewonnenen Beute in die Hände der Orks fielen. Nur unter Verluste erkämpften wir unsere Freiheit. Als wir durch die Wälder flohen, trafen wir auf Falandir in der Nähe einer Lichtung, so schien es eine zu sein. Feurige Funken bahnten sich ihren Weg durch das Blätterdach und hinterließen ein brennendes Loch. Um ihn herum war der Boden zu Asche verfallen, die Gräser und Blumen waren verbrannt. Die Luft roch nach Schwefel und kein Windstoß ließ den Dunst lichten. Doch in all der Verkümmertheit rührte er sich nicht. Erst als Farlog sich ihm näherte, warf er einen verhüllten Blick zu uns - Asche fiel von seinen Schultern, seine Kleidung qualmte wie der Dunst einer heißen Quelle und sein Schwert verlor seinen schimmernden Glanz, der die Aufmerksamkeit eines gieren Schurken unter uns genoss. Seine Augen glänzten und verhüllten sie in einen Schleier, nach der Klinge trachtend. Er zuckte seine Axt und schleuderte sie auf die unheimliche Gestalt Falandirs, doch ehe wir hätten reagieren können, glitt er zu Boden. Die Axt fiel ins Nichts, doch die Klinge des Schwertträgers hingegen nicht. Die Kehle von unserem Schurken wurde durchbohrt und sein Blut floss der Klinge hinab. Farleg wurde von seinem Geschick und seiner Schnelligkeit geblendet und bot ihn Asyl. Es dauerte nicht lang, bis Falandir sich als Anführer erwies, denn die Beute wurde größer und die Zahl der Verluste geringer. Einige glauben sein Schwert Faerlug lehrt seinen Feind das Fürchten, ehe es zum Streich kommt. Andere wiederum sind wegen jener Gestalt mit Angst erfüllt, er stünde im Bund mit jemand oder etwas, dass sie sich nicht erklären, aber durchaus spüren können."
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Er beendete abrupt seine Geschichte, als die Spitze eines Pfeils seine Kehle durchdrang. Dunkar zuckte zurück und entkam so einen weiteren Pfeil, der sein Leben gefordert hätte.


Viele Nächte sind bereits vergangen, als Falandir die Entscheidung traf, fort zugehen und alles hinter sich zu lassen. Schwarz war die Nacht und nur blass fand er den Weg zum Sattelplatz seines alten treuen Freundes. Er flüsterte ihm einige Worte zu, als er auf sein Pferd stieg:
"Nun mein Bester, ich hoffe du bist bereit für einen längeren Ritt!"
Ein Ruck ging durch Falandirs Körper, als er den plötzlichen Antritt spürte. Seine weiten Schritte verliehen ihm ein hohes Tempo. Der Wind keilte sich an der Spitze und vereinigte sich wieder wenige Meter hinter ihm. Falandir beugte sich weit nach vorn und hielt die Zügel fest in der Hand. So endete sein Schatten tief im dunklen Nebel der Mückenwasser-Moore. Seine Spur verlor sich in den vermoderten Gewässern und begann erneut am Fuße des nördlichen Chetwaldes. Über das Nen Harn Gebirge zuckten bereits einige Blitze und kündigten einen beharrlichen Sturm an, doch vom Weg abkommen zog Falandir nicht in Betracht. An den Hängen, weit nördlich der Wetterberge, wagte er einen gefährlichen Aufstieg zu den östlichen Nan Wathren und das Gewitter näherte sich bedrohlich. Die Hänge wurden steiler, der Boden steinig und uneben. Tief stand bereits der Mond und tobend brach der Sturm über ihnen ein. Durch den dichten Regenfall, versuchte Falandir einen Unterschlupf zu finden, doch der glitschige Boden ließ sie nur spärlich vorankommen. Der Wind drehte sich und presste sich gegen die Wälle und zog ihnen fast die Füße zu den Abgründen. Falandir nahm nun beide Hände an die Zügel und versuchte seinen Freund noch vor den todbringenden Sturz zu retten, doch er rutschte an einem Stein aus, fiel mit schwerer Rüstung auf den Rücken. Er verlor den Widerstand in seinen Händen und schrie weinerlich in den tiefen schwarzen Abgrund.

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Die Sonne lichtete sich am Horizont und wenig blieb von letzter Nacht zurück. Schlamm bedeckte den Pfad, auf dem Falandir bewegungslos lag. Ein Schatten flog über ihn hinweg und wehte frischen Wind den Hang hinunter. Er öffnete seine Augen und schaute in den wolkenlosen Himmel. Er versuchte sich aufzurichten, wie seine Schmerzen und Prellungen es zuließen. Er warf einen letzten Blick den Abhang hinunter, in welchen in der Nacht zuvor sein Freund zu Tode stürzte und setzte sein Weg bedrückt und schweigend fort.
Der Abstieg fiel ihm schwer, noch immer schwellte er in traurigen Gedanken und verlor allmählich das Ziel seiner Bestimmung vor Augen. Weit über ihn bewegte sich stattdessen eine Gestalt schlangenförmig fort, die sich im grellen Sonnenlicht verbarg und jede seiner Schritte beobachtete. Schweiß lief von seinen Wangen hinab zum Kinn, als er sich taumelnd den Wäldern von Taur Gonwaith zuwandte. Die warme Luft stahl sich davon und verschwand in den felsigen Ritzen des Ostpasses. Stattdessen blies ihm eine kalte, stinkende Luft entgegen. Der Boden bedeckte sich wieder mit schimmligen Pilzen, Morast und Ungeziefer, verpestet von den beheimateten Orks in Dol Dinen, die sich weit im Süden der Nordhöhen verschanzt haben. Erst als Falandir den östlichen Pass von Nan-Amlug erreichte, so wuchsen wieder saftige Wiesen und dichte Wälder, dennoch bewacht von abtrünnigen Angmarin, die dem Hexenkönig Treue schwören. Doch an diesem Tag wurde Nan-Amlug von Mensch und Tier gemieden.
Drückende Hitze breitete sich über die Ebenen aus, die Winde verblassten zwischen den Ästen und Sträuchern. Kein Blatt tanzte mehr im Licht der Dämmerung, nur die Stille schien allgegenwärtig zu sein und sich wie ein Kind spielend seinen Weg zu suchen. Nur die wehleidigen Schritte, erschöpft wie er war, wehte das Laub zur Seite. So unbedeutend wie er in dieser trostlosen Gegend zu scheinen vermag, verschwand jedoch niemals die Aufmerksamkeit seines Verfolgers. Vereinzelte Wolken wurden entzwei gerissen und Hitze wallte hinab zu den Baumkronen. Flügel zersplitterten die Äste und wirbelten das Laub in die Lüfte. Sein Atem ließ Büsche verbrennen, Tannenzapfen verglühen und Erde verderben. Die Wipfel der Bäume verbargen den Himmel schützend, bis sie zusammenbrachen und sich in Asche verwandelten. Der Boden erzitterte urplötzlich, als eine schwere Last die Erde aufwühlte, nicht sehr weit entfernt vor Falandirs Haupt.
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Ein exzentrischer Schrei erregte die Aufmerksamkeit Falandirs und seiner Gefährten, als sie hinter schützenden Bäumen auf ihren Feind warteten. Es dauert nicht lange, als die Ausgestoßenen siegessicher die Hänge erklimmten und es wagten gegen einen unsichtbaren Feind vorzustoßen. Nur das gebieterische Brüllen des Heermeisters versteinerte ihren Kampfwillen und sie horchten auf. Zwar verloren sie so ihren Überraschungsmoment, doch rannten sie nicht blind in die Hände ihrer Feinde, dessen Stärke und Zahl unbekannt war. Viele warteten nun auf die Instruktionen ihres Anführers.

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Auf den Hängen standen einige der Ausgestoßenen, um sie mit ihrem eisernen Schild zu empfangen. Am Fuße der Hügel warteten bereits ihre Bogenschützen auf den vermeintlichen Rückzug ihrer Frontlinie. Der Kontakt zwischen Breitschwert und Schild übertönte das nächtliche Zirpen und das Brüllen der Widerstandskämpfer verdeutlichte ihren Schmerz, den sie leiden mussten. Einige flüchteten den Hang hinab und ihre Verfolger willenlos hinterher. Die Bogenschützen warteten bis ihre Kameraden an ihnen passierten, dann lösten sie die Sehnen. Die Pfeile flogen ziellos in die Dunkelheit. Die Schützen weichten langsam zurück und zogen ihr Schwert aus der Scheide und an ihrer Seite stellten sich ihren letzten Kameraden auf, wartend auf das Ungewisse, das aus dem Schatten springen würden. Falandir trat aus den Reihen, seinen Zweihänder fest mit seinen Händen umschlossen, blickte hinein. Den Hang hinab rollte ein Helm zu seinen Stiefeln, den er befangen aufhob. Vor ihm trabend erschien eine Gestalt, in dessen Kehle ein Pfeil steckte und vor ihm auf die Knie stürzte. Falandir zog den Pfeil hinaus, worauf der Ork sein Bewusstsein verlor. Das Blut spritze und vermischte sich mit seinem schlammbedeckten Armreif.
Dann lichtete sich die Dunkelheit durch die ersten Sonnenstrahlen, die den Horizont mühevoll erklimmten und ihre nächtliche Blindheit heilten. Der Schräge hinab floss das schwarze Blut ihrer Verfolger, die ihr Äußeres nicht mehr verbergen konnten. Die Zahl ihrer Feinde war unbedeutend klein, vielmehr schockierte ihre ungewöhnliche Gestalt. Ihre kruden Rüstungen verbargen ihr bestialisches Antlitz, der Orks nicht sehr unähnlich und ihre Wildheit war in ihren Gesichtszügen eingraviert. Ihr Wuchs war die eines ausgewachsenen Mannes und ihre Haut war dunkel und mit Muskelsträngen überzogen, umschlossen von eisernen Armbändern und verziert mit einer weißen Hand. Den Ausgestoßenen stand die Ahnungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Nur Farleg unterbrach die fassungslose Stille:
„Was für eine Ausgeburt des Bösen wandelt in diesem Lande? Und welchen Unheil würde es meinen Ahnen überbringen, wenn es in mein Land einfiel?“ Dunkar missbilligte seine Sorge und stiftet Unruhe in den Reihen der Ausgestoßenen.
„Diese Orks fürchten die Sonne nicht und marschieren schnell in ihrer Anwesendheit! Etwas beunruhigt mich mit diesem Fund, doch kann ich es noch nicht deuten. Farleg, wenn es euer Wunsch ist, euren König von dieser Bedrohung zu berichten, so brechen wir unverzüglich auf oder wir setzen unseren Weg fort und ihr schweigt über dieses Thema für immer!“
Bleich blickten die Augen ihres Anführers auf die ungewöhnlichen Leichen. Es waren nur ein Dutzend, doch die Gedanken stürzten sich auf die Möglichkeiten, die sie in größerer Zahl anrichten könnten. War dies das, was er zu suchen versuchte? Fand er die neue Absicht seiner jungen Sippe oder seine Eigen? Farleg stützte seinen Heermeister, um sein Gesicht wahrzunehmen.
„Geht Falandir, woher ihr kamt. Seht nicht mit an, wie solch schändliche Orks in euren Landen verweilen. Sorgt euch nicht um uns.“ Mit dem gewonnen Zutrauen richtete er sich zu den Ausgestoßenen auf.
„Mein Weg endet hier zu Beginn eines schicksalhaften Geheimnisses, das Aufklärung verlangt. Ich kehre zurück zu meinen Ahnen, die mir Rat und Wissen spenden können, um meine Sippschaft eine Hilfe sein zu können. Farleg wird euren Weg weiterführen.“
"Wer dumpfe morale Klischees bedient, stellt sich außerhalb meiner Ordnung."
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