Vreawyn

Schreibt hier die Geschichte Eures Charakters nieder.

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Celestiel
Ruhmeshalle
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Vreawyn

Beitrag von Celestiel »

Thal im Jahre 3017 des III. Zeitalters

Dreckskerle! Bäuchlings war sie soeben auf den Boden geschleudert worden und versuchte sich nun stöhnend mit beiden Handflächen wieder hoch zu stemmen. Ihr Fall wurde von lautem Gelächter der Umstehenden begleitet. Raue Krieger, die mit ihren unrasierten, ungepflegten Gesichtern und ihrem barschen Lachen, nicht unbedingt den Eindruck erweckten, als stünden sie im Dienst der Königsgarde. Doch tatsächlich war ebendies der Fall, nur dass es sich bei den Männern um Söldner handelte, welche das Heer des Königtums Thal verstärkten. Einer von ihnen drückte sie mit seinem gepanzerten Stiefel, der sich in ihren Rücken grub, abermals nieder.
„Der Zweihänder ist wohl 'n bisschen zu schwer für dich, he? Komm, Kleine, ich zeig dir `ne Waffe, mit der du ganz sicher umzugehen weisst.“ Neuerliches Gelächter brach aus, als er seine Worte mit einem anzüglichen Grinsen beendete und sich dabei in den Schritt fasste. Wütend funkelte sie den Boden unter ihrem Gesicht an, niedergerungen und getreten von der erlittenen Schmach. Verdammter Kampf! Wieder einmal war ihre Klappe grösser gewesen, als der eigene Verstand. Sie hätte wissen müssen, dass sie sich als Frau im Umgang mit einem Zweihänder mehr als schwer tun würde. Tja, und was musste somit unweigerlich geschehen? Ganz genau, so eine mistige Waffe hatte sie in die Knie gezwungen.
War ihre Wut zuvor noch wegen dem Kerl aufgebrodelt, der sich erdreistete, sie mit einer Dirne gleichzusetzen, richtete sich das lodernde Fegefeuer ihres erhitzten Gemütes nun gegen sie selber. Doch ihr Stolz blieb von der Niederlage unberührt, denn dieser brachte sie nun dazu, sich wegzurollen und sich wieder aufzurichten zur vollen Körpergrösse, die zwar jeder der Anwesenden mit der seinen um Weiten überragte, doch war dies nichtig in ihren Augen. Vielmehr schien sie damit zum Ausdruck bringen zu wollen, dass sie sich von diesem triebgesteuerten Haufen gewiss nicht einschüchtern liess.
„So? Du willst also 'ne Sonderbehandlung, hm?“, antworte sie schliesslich unerwartet ruhig und fixierte den Krieger mit einem scharfen Blick, der nie Gutes verhiess bei ihr. Süsslich lächelte sie ihn an und bewegte sich katzenhaft auf ihn zu. Wohl versuchte sie ihn glauben zu lassen, dass sie sich um den Finger hatte wickeln lassen. Siegessicher triumphierte sein Grinsen über sie, während er sich breitbeinig vor ihr aufstellte. Nun, des Hochmutes Tücke ist jedoch bekanntlich, das er vor dem Fall kommt. Oder vor dem schmerzenden Schlag, denn so rammte sich ihr Knie nun in seine Lendengegend und liess ihn zusammensacken. Das laute Aufstöhnen, das seinen Schmerz verdeutlichte, liess sie wiederum zufrieden aufschmunzeln.
„Solltest deine Waffe vielleicht besser zuerst wieder auf Vordermann bringen, bevor du jemand ranlässt.“, erteilte sie ihm trocken den Ratschlag ehe sie der Menge den Rücken zudrehte und noch im Gehen den Zweihänder und ihren Helm aufhob.

Ihr Weg führte sie in eine abgelegene, verlassene Gasse von Thal. Lautes Scheppern ertönte, als sie ihren Helm gegen eine Häuserwand schleuderte, an der sie sich schliesslich zu Boden gleiten liess. Der Zweihänder wurde dabei ebenso lieblos in die Ecke geworfen ehe sie beide Hände freihatte, um ihren Kopf in die Handflächen zu stützen. Elender Söldnerdienst! Es war ein ständiges Ringen um Anerkennung und Akzeptanz. Zwei Dinge, für die sie jeden Tag aufs Neue kämpfen musste, nur um jämmerlich zu verlieren. Die Kriegerin lehnte ihren Kopf gegen die Wand und zog tief die Luft ein. Das feuerrote Haar war wie immer zu einem strengen Knoten gebunden und unterstrich die markanten Wangenknochen. Streng waren ihre Gesichtszüge, fern von weiblicher, unschuldiger Sänfte. Ja, die Zeit in der Söldnerschar hatte sie hart gemacht, doch hier und jetzt fühlte sie sich bestenfalls wie ein hartgekochtes Ei, das sich abschälte. Aus dem schattigen Schutz einer Ecke heraus ruhte ein Augenpaar auf ihr, das sie im ersten Moment nicht wahrnahm, doch durfte man die geschulten, geübten Reflexe der Kriegerin nicht unterschätzen. Diese hob nun nämlich ihren Kopf an und liess ihren Blick zu dem vagen Schemen schnellen.
„Freundchen, zeig dich lieber bevor ich nachhelfen muss!“, fuhr sie ihn schroff an, keineswegs gewillt nun einen solchen Störenfried in ihrer Nähe zu dulden. Sie erntete jedoch nur ein leises Lachen, das seinen Schritten, die er aus den Schatten führte, vorauseilte. Ein stämmiger Mann mit glatt rasiertem Schädel präsentierte sich ihr. Der Statur zu urteilen ein Krieger, dessen heruntergekommenes Aussehen jedoch darauf schliessen liess, dass er schon bessere Tage gesehen hatte und sich mit so einigen Bierflaschen darüber hinwegtröstete. Ruhig beobachtete er sie, mit locker verschränkten Armen gelassen an die Mauer gelehnt. Sein stummes Beobachten ging mit einem Schmunzeln einher, dem er jedoch keine Worte verlieh. Die Kriegerin indes musterte ihn mit messerscharfem Blick, wohl nicht im Mindesten davon angetan, seinem Blick in solch’ aufdringlicher Art und Weise ausgesetzt zu sein. Das Gesicht des Mannes war ihr ein Rätsel. Seine Züge muteten auf den ersten Blick hart an und wurden von dem stoppeligen, ungepflegten Kinn unterstrichen. Spuren der Zeit, die jedes Gesicht früher oder später prägten. Doch in den Zügen dieses Mannes wohnte noch etwas anderes inne. Ein Sänfte, die so dezent abzulesen war, das sie fast unwirklich erschien. Eine Sänfte, die sie schon in den steinernen Abbildern edler Könige eingemeisselt gesehen hatte. Nein, dieser Kerl war kein Thalländer.
„Lust einen trinken zu gehen?“, fragte er sie ganz unvermittelt, liess seine Mimik oder seine Worte jedoch frei von irgendwelchen Anzüglichkeiten.
„Wer zum Geier bist du überhaupt?“, schoss sie zurück, sichtbar angenervt von dem Spielchen des Fremden, der sie weiterhin gelassen anschmunzelte. „Na na, eine Süsse wie du hat doch bestimmt auch einen Namen.“ Sie verdrehte die Augen. Weder hatte sie nun die Geduld, noch die Lust sich dieses Hin und Her anzutun. Um dem Spielchen also ein schnelles Ende zu bereiten, antworte sie nur knapp: „Vreawyn.“
Aus irgendeinem Grund verstärkte sich das Schmunzeln des Fremden, innerlich jedoch lachte er auf. Er hatte sie gefunden.
„Oh, dann nenn mich…Folken.“
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