Hin und wieder Zurück

Schildert Erlebtes oder berichtet über Abenteuer aus der Sicht Eures Charakters.

Moderator: Offiziere

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Ellenyn
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Hin und wieder Zurück

Beitrag von Ellenyn »

Hin und wieder zurück

Teil 1 - Vom Einschlafen und Erwachen

Dunkel wird es. Deine Sinne und Gedanken werden trüb. Kälte, unsagbare Kälte kriecht langsam
in deinen Körper wie ein Parasit, den du nicht aufhalten kannst. Du wehrst dich, doch hast keine Kraft.
Denn du bist tot.
Hast du dies erst einmal realisiert beginnen die Schatten zu weichen, der Nebel verschwindet und du siehst das Meer - ein unendliches Meer.. und weit, weit vorraus eine Insel auf die du zustrebst. Sie ist warm und freundlich, ein Ort an dem man bleiben möchte, für alle Zeitalter dieser Welt.
Plötzlich fällst du. Tief, tief ins Wasser und spürst die Kälte wieder. Als würdest du gegen eine Wand rennen. Eine Macht zieht und zerrt an dir, wie du sie noch nie zuvor gespürt hast. Du wirst in das Meer gezogen, doch schwimmst du nicht, du fällst. Du fällst und es wird wieder dunkel. Wehren kannst du dich nicht, du hast keine Kraft, denn du bist tot. Schmerz ist das, was du fühlst wenn du auf einmal auf dem Boden aufschlägst - unsagbarer Schmerz, deine Glieder verkrampfen sich und du schlägst die Augen auf.
Denn du lebst.
Ellenyn
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Re: Hin und wieder Zurück

Beitrag von Ellenyn »

Ist dies das Ende?
Er hätte erwartet völlig gedankenlos aufzuwachen, völlig desorientiert.
So wie viele dieser Soldaten, die er hat knapp dem Tode entrinnen sehen.
Nicht mehr fähig den eigenen Namen zu nennen, noch den der nahe Stehenden.
Jahre des Suchens nach der eigenen Identität. Eine Identität, die längst gestorben war.
Er hatte diese Menschen nie verstanden, ewig auf der Suche nach etwas, das nicht mehr ist.
Hatten Sie nicht eine Chance? Ein ganz neues Leben zu beginnen? Stattdessen vergeudeten sie dieses,
dass Ihnen geschenkt wurde, die zweite Chance.
Er hatte keine zweite Chance, kein Vergessen, kein Suchen.
Als Taldaras die Augen aufschlug, dort auf dem feuchten Waldesboden,
waren seine Gedanken schärfer als je zuvor.
Es war ihm nicht vergönnt in den Hallen seiner Väter zu ruhen. Nein, noch nicht.
In diesem Bruchteil eines Augenblickes fügte sich alles wie ein Puzzel zusammen,
es war, als würden ihm die Antworten zufallen. Mögen die Valar ihm gnädig sein?
Oder steckten diese Antworten schon immer in ihm und war er nur nie im Stande sie zu einem
Gedanken zu schließen?
Möglich ist vieles. Doch nicht wichtig.
Dinge waren zu erledigen. Sie eilten, doch mussten sie noch warten.
Schmerz verspürte er nicht, welch Eigenart. Die Bewegungen waren schwerfällig als er sich aufsetzte.
Als hätte er geschlafen, ein sehr langer Schlaf musste es gewesen sein.
Schon wollte er allen Mut zusammennehmen um den Pfeil herauszuziehen - Doch..
Er war nicht mehr da. Auch lag er nirgends um ihn herum.
Taldaras stützte sich an einem Baum ab und hievte sich hoch.
Ein kurzes Zucken in den Mundwinkeln, gleich einem Schmunzeln, war zu erkennen.
"Bist du am Ende doch nicht Allwissend geworden?" Sagte er zu sich.
"Schade, eigentlich. Das wäre doch mal was." Er dachte über seine Worte nach.. Ende? Nein, dies war kein Ende.
Dies ist der Anfang!
Ellenyn
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Re: Hin und wieder Zurück

Beitrag von Ellenyn »

Teil 2 - Zweierlei Eide Bruch.

Segen.
Ist es nicht ein Segen, welcher über ihn gekommen ist?
Taldaras dachte nach, als er dort stand, mitten in diesem Wald.
Mit der Hand stützte er sich an einen Baum.
Warum fühlte er nichts und doch gleich so viel.
Er fühlte kein Schmerz und doch fühlte er ihn.
Er war nicht hungrig und doch war er es.
Nicht das weltliche war es, das geistige, welches ihn zehrte.
Es zerrte an ihm, es verzehrte ihn.
Der Schmerz ist sein Hunger, der Hunger ist sein Schmerz.
Etwas brannte in ihm, das unendliche Verlangen den Hunger zu tilgen.
Er sah auf den Boden - dort wo er gelegen hatte war die Erde verdorben,
die Pflanzen eingegangen, gestorben.
Er verstand nicht mehr, warum? Was war hier geschehen?
Ein lautloses Schreien klang durch den Wald. Es schmerzte Taldaras,
ein Klageschrei ohne gleichen. Es durchfuhr ihn, trieb ihn in den Wahnsinn.
Es kam von dem Baum, an den er sich gelehnt hatte.
Dort, wo sich seine Hand befunden hatte war nur noch tote Rinde zu sehen.
Der Baum wand sich vor Schmerzen, Taldaras konnte seine Schreie hören.
Es gab nichts, was der einstige Hauptmann tun konnte, als der Baum, vom
Tode gequält, der ihn wie ein Virus, ein Parasit befallen hatte, zu Boden fiel.
Taldaras trug den Tod in sich. Dies war kein Segen, dies war ein
Fluch.
Ellenyn
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Re: Hin und wieder Zurück

Beitrag von Ellenyn »

Die Steppen Rohans – einige Monate vor Ellenyns Ankunft in Schwarzwall.

Dicke Regentropfen prasselten auf die Erde nieder und verwandelten das nahe Ufer in ein Matschfeld.
Eine zierliche Gestalt kämpfte sich durch den Regen und hinterließ Fußstapfen, die davon zeugten wie schwer es war hier zu laufen. Stunden verbrachte sie schon damit, das Gebiet um die seichte Flussüberquerung auf und abzulaufen, die Augen krampfhaft suchend auf den Boden gerichtet. Und nun fing es auch noch an zu Regnen – das machte die Suche nicht gerade einfacher. Sie war sich nicht einmal sicher ob dies dem Ort entsprach, welchen das Wesen ihr beschrieben hatte. Der Regen – es hatte hier monate nicht mehr geregnet und nun erschien ihr es, als wolle ihr jemand einen bösen Streich spielen, oder gar die Suche erschweren? Ja die Suche – Sie war sich nicht einmal sicher WAS sie genau suchte. Doch als Sie nun hier, stehend im Regen, wieder an das Wesen dachte überkam sie die tiefe Trauer und Verbundenheit, die der Grund war warum sie sich entschlossen hatte, ihm zu helfen.
Es war nicht, als gäbe es in ihrer Heimat nichts zu tun, um das sie sich kümmern müsste, – es gab eine Menge, denn der Feind stand vor offener Türe – doch es gab Dinge, die wichtiger waren als alles andere. Und zu diesen Dingen gehörten Familienangelegenheit. Einen Eid hatte sie abgelegt, wie auch ihre Brüder, der Familie zu dienen und deren Interessen zu wahren. Um jeden Preis. Doch hatte sie im Traum nicht daran gedacht, dass dieser Schwur eines Tages solche Formen annehmen würde. Wenn sie versuchte sich an ihre kurze Kindheit zu erinnern, an jene Tage, die von der Gegenwart ihrer Brüder geschmückt waren, so kamen ihr nur schemenhafte Bilder in den Kopf. Sehr früh war es, dass Taldaras und Berodon, zu denen sie immer aufgesehen hatte, fort gingen. In die Ausbildung. Eine der begehrenswertesten Hauptmannsausbildungen in ganz Gondor. Noch immer haftete dem Namen ruhmreiches an, so ward die Familie Gondor auch in seinen dunkelsten Tagen zu Seite gestanden.
Tödlicher Ruhm, wie sich herausstellte.
Doch es benötigte mehr als nur tödlichen Ruhm die Familie Arnum aus Mittelerde zu verbannen. „Ein Arnum gibt niemals auf, niemals!“ Die Worte ihres Vaters klangen Ellenyn in den Ohren, als hätte er es gerade eben erst gesagt. Er hatte es hunderte Male gesagt. Und wieder bewegte es sie nicht aufzugeben. So schüttelte Ellenyn die Gedanken aus dem Kopf und begann konzentriert ihre Suche fortzusetzen.
Weitere Stunde verstrichen, ohne sich einstellenden Erfolg.
Es war nicht hier.
Doch irgendwo auf dieser Welt war es und sie würde es finden.
So ging Ellenyn zielstrebig auf den nahegelegenen Felsvorsprung zu. Tiere mussten hier einst ihren Unterschlupf gefunden haben und nun war es ihrer - für eine Weile.
Nachdem sie ein wärmendes Feuer geschürt hatte und sich mit den übrigen Resten Pökelfleisch dazusetzte, hatte sie einen guten Ausblick auf das Ufer, welches sie nun Stunden abgesucht hatte.
Ein Gefühl der Demut überkam sie.
So viele Krieger hatten hier ihr Leben gelassen. Gleich einer Hinrichtung soll es gewesen sein. Doch für den Moment war der Ort so still und strahlte trotz des Regens eine gewisse Art von Harmonie aus.

Hier hatte es angefangen.
Hier hatte es angefangen, was ihr Bruder nicht zu Ende bringen konnte.

Und nun hatte er sie darum gebeten.
Seiner Erlösung willens hatte sie zugestimmt.

Gleich morgen würde sie aufbrechen, weitersuchen. Richtung Norden.
Doch wen würde sie antreffen?
Dharogar ? - Celestiel ?
Ellenyn
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Re: Hin und wieder Zurück

Beitrag von Ellenyn »

Bree Siedlung Schwarzwall.

Monate vergehen im Zuge, wenn man nicht auf sie achtet.
Zeit, zugleich der engste Verbündete und ärgste Feind.
Welche Ansicht man wählt, hängt ganz vom Betrachter ab.


An Tagen wie diesen wusste Ellenyn nicht, ob sie nun Feind oder Freund wählen sollte.
Das Schreiben des Offiziers aus Gondor, welches sie Egin unter die Nase gehalten hatte,
brachte sie wieder zum Schmunzeln.
Sicher hatte er es ihr nicht abgekauft. Nein, dazu war dieser .. wo mag er herkommen? Wohl aus dem Osten,
doch nicht zu weit südlich
.. zu gerissen, auch wenn er sich bedacht gehalten hatte. Sicher war er das,
er hatte es geschafft die Gemeinschaft über die Jahre dauern zu lassen.
Obwohl es echt war. Ja, sie hatte es tatsächlich von einem alten Freund der Familie,
welcher den Arnum noch einen großen Gefallen schuldete.
Und in Gondor geraten solche Dinge nicht in Vergessenheit.
Ein paar Ausrüstungsgegenstände und Waffen gab es noch obendrauf. "Als Zeichen des Guten Willens"
Was immer es auch immer gewesen sein mag, bei dem ihr Vater diesem hohen Offizier geholfen hatte,
es war keine Kleinigkeit gewesen.
Zugegebenermaßen war es leichter gewesen über die Meigol i Estel etwas in der Umgebung herauszufinden,
als sie anfangs gedachte hatte. Hatte ihr Bruder die Gemeinschaft nicht geheim halten wollen? Es gab noch zu viele Dinge, die sie nicht verstand, obschon ihrer wochenlangen Recherche rund um Bree.
Jetzt war sie hier, im Haus, wo ihr Bruder sie haben wollte.
Ein gutes Maß an Stolz war jedem Arnum anbehaftet, so mag auch dieses Gefühl überwogen haben,
als sie an den geschickt ausgeführten Plan der doppelten Täuschung dachte.
So war wohl beiden Gesprächspartnern sehr wohl bewusst,
dass es schon eine längere Zeit keinen gondorischen Trupp mehr gab, geschweige denn je gegeben hatte!,
doch war es ihr gelungen durch diese Täuschung ins Innere der Gemeinschaft zu kommen
und ohne größeres Aufsehen deren Mitglieder zu überprüfen. Eine Tarnung als Berichtserstatter, die gar keine war.
Sicher erstattete sie bericht, doch nicht an Gondor.
Vielleicht war die Gemeinschaft tatsächlich das geblieben, zu dem sie sich verpflichtet hatte.

Ellenyn starrte gedankenverloren auf den eingewickelten Gegenstand,
welchen sie neben sich gelegt hatte.
Eine Weile noch...

Sie brauchte Zeit.
Als einen Verbündeten.
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