Stumme Worte

Geschichten und Berichte vergangener Tage.

Moderator: Offiziere

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Aedon Cornealis
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Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Do 18. Dez 2008, 16:47

Nachdenklich liess er die Türe seines Raumes im Heime der Meigol hinter sich ins Schloss fallen.
Celestiel und die andren besprachen sich weiterhin unten im Versammlungsraume. Er verliess die Runde zuvor müde, denn die lange Reise und das vorherige Gespräch rieben ihn auf.

Er durchschritt sein Gemach zum Rüstenständer hinüber, streifte sein Kettenhemd ab und legte es über die Querstange. Stiefel und Handschuhe ruhten bereits am Stuhle, der neben der Türe an dem kleinen, alten Holztische stand.

Einerseits beschäftigte ihn die Tatsache, dass bislang wohl nur drei der frischen Rekruten ausgesandt wurden, andrerseits die Sichtweisen seiner Gesprächspartner, sofern man diese so nennen konnte.
Seine militärische Erziehung gebot ihm weitestgehend, zu schweigen, da man ihm nicht das Wort erteilte, und so fraßen sich seine Argumente durch die Windungen seines Hirnes. Den Kopf im Nacken kreisend bemerkte er, dass sich Kopfschmerzen zur Müdigkeit gesellten, und so legte er auch die Rüsthose ab und setzte sich auf die Kante seines Bettes.

Dieser Delrond beschäftigte sich für Aedons Geschmack zu sehr mit dem Geschehenen.
Eine objektivere Sicht der Dinge würden dem rekrutierten Kundschafter den Erfolg seines "Fiascos", wie er es nannte, aufzeigen, denn es wurden Erfahrungen gesammelt.
Sicherlich, Disziplinbewusstsein musste noch erweckt werden, doch Anstand war fraglos
vorhanden - die Grundvoraussetzungen waren also mitgebracht. Die kommenden Tage würde er fraglos damit verbringen, jene Neuzugänge näher kennenzulernen.

Doch auch seine Waffenbrüder bereiteten ihm Sorge.

Es hat den Anschein, als kenne ich meine Freunde noch immer nicht wirklich - als behielten sie Abstand, mir gegenüber. Es muss wohl an mir liegen....

Aedon legte sich auf die Decke seines Bettes, das hämmern in seinem Schädel nahm scheinbar minutiös zu, was die Sortierung der vielen Gedanken unangenehm erschwerte.

Celestiel war zurrück. Wo sie in den vergangenen Wochen wohl abgeblieben war, fragte
er sich, als er seine Schläfen massierte. Glücklicherweise ist sie wohlauf, nur das zählt. Doch schon scheint sie wieder belastet durch vieles, was geschehen scheint und, was sie sich vorgenommen. Ein Treffen mit den Bündnisführern...

Als im der Gedanke kam, richtete er sich, ein wenig zu schnell, auf seinem Lager auf,
was ihm ein bösartiges Hämmern hinter der Stirn bescherte und einen leisen Fluch hervorrief.

Ob es wieder in die Schlacht gehen wird?

Nach einigem weitren Nachdenken versank er, endlich, in das Reich der Träume.
Fressende Sorgen mussten sich nun für ein paar wenige Stunden gedulden, von ihm ablassen. Nur ein kleines Weilchen...
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Aedon Cornealis
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Fr 19. Dez 2008, 22:03

Zufrieden steigt er von Jules´ Rücken, streichelt den Hengst und lässt ihn vor dem Heim der Schwerter grasen.
Anrangar befahl ihm am Abend zuvor, Erkundungen über die Baustätte Dornlag´s einzuholen und die Prüfung der Rekruten vorzubereiten. Sicherlich, dieser Anrangar wurde ihm bislang noch nicht als Befehlshabender vorgestellt, doch er war augenscheinlich eines der langjährigen MItglieder der Gemeinschaft.
Somit gab es für Aedon keinen Grund für Zweifel an dessen Authorität - und militärisches Auftreten war er schliesslich gewohnt.

Lang saß er zuvor auf einer Anhöhe und betrachtete nachdenklich den kleinen, noch im Aufbau befindlichen Vorposten. Rasch kamen ihm erste Einfälle für jene Prüfung, und doch blieb er, denn die Lichtverhältnisse der Nacht wollte er ebenfalls beobachten. Er würde es nicht allzu komplex werden lassen wollen, und doch diesen Anrangar - sofern überhaupt möglich - ein wenig beeindrucken.

Als der Morgen graute, sattelte er Jules, welcher sich die ganze Nacht brav in der Nähe seines Herrn gehalten hatte, und ritt in Bree ein. Butterblumes Helfer hatten die ersten Brote des Tages bereits gefertigt, und der Duft tanzte verspielt über den Brunnenplatz vor der Schänke. Hungrig ging er hinein, um sich einen Laib und einen gut abgehangenen Schinken zu erstehen, welche er im Anschluß draussen auf dem Brunnenrande wohlgelaunt zu sich nahm.

Er genoß das Wetter, grüßte die Mägde die ihren morgentlichen Pflichten nachgingen und kostete hin und wieder vom kalten, klaren Brunnenwasser, mit welchem er sich nach Beendigung seines Frühstückes das Gesicht und den Nacken wusch. Er würde ein Bad nehmen, sobald er wieder im Sippenheime angelangt.

Nun durchschreitet er einmal mehr die weite Halle der Schwerter. Laut fiel die schwere Eingangstüre zuvor hinter ihm zu, ein Luftzug musste sie beschleunigt haben.
Aedon rollt wie stets Bogen, Köcher und Klingen in seinen Umhang und legt sie im vorbeigehen hinter der Bank ab, wie er es sich zur Gewohnheit werden ließ. Der Kartentisch ist sein Ziel, und dort angelangt, beginnt er umgehend mit seinen Notizen - ein unbeschriebenes Pergament dient ihm als Träger filigran geschwungener Lettern.
Kaum dass er seine Ausführungen beendet, nimmt er das Blatt zufrieden auf, hält es vor sich um es noch einmal zu überfliegen und pustet die Tinte, schneller zu trocknen.

Da wollen wir doch einmal sehen, was daraus wird.

Kaum dass es einigermassen trocken scheint, rollt er das Pergament zusammen, schiebt es in seinen Handschuhbund und begibt sich hinauf in sein Gemach, um ein längst überflüssiges Bad zu nehmen und der Rückkehr Anrangars und der andren zu harren.
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Di 23. Dez 2008, 17:16

Irgendwo im Chetwald, kurz nach Sonnenaufgang.

Der junge Klingentänzer zog die Sehne seines Bogens leise und mit einer mittlerweilen kraftvollen Eleganz bis auf Höhe seines Ohres durch. Kurz darauf durchschlug der entsandte Pfeil sein Opfer wuchtig - ein weitres Kaninchen. Aedon streift sich zufriedenen Ausdruckes den Bogen über, um sich behende dem Tierchen zu nähern und es entsprechend zu präparieren.
Als er sich Jules näherte, um den zukünftigen Braten zu den andren beiden am Sattel zu befestigen, durchliefen ihn selige Gedanken.
Ich hoffe, der kleine Herr Gavo wird mir meine heutige Verspätung nachsehen, wenn ich ihm die Braten mitbringe.
Er sass auf, streichelt die Mähne des Braunen und bedeutete diesem sanft über die Zügel gen Heim. Früh war er an diesem Morgen auf den Beinen - nicht allein der Jagd wegen.
Wie es wohl M´Lady Celestiel ginge, fragte er sich....nicht zum ersten Male.
Sein eher zufälliges Treffen mit Herrn Anrangar verlief nahezu wie erwartet. Einzig dessen Emotionslosigkeit verunsicherte ihn etwas an dem verschlossenen Manne, der sich ihm gegenüber als Führerpersönlichkeit darstellte.
Und doch, irgendwie mochte er den wortkargen, recht schroff erscheinenden Mann. Solche Kameraden waren es, die ihm in so mancher Schlacht mit starkem Arme an der Seite standen, auf die er sich bislang verlassen konnte.
Als er eine Lichtung überquerte, hielt er Jules an inne zu halten.
Der alte Hengst quittierte seinem Herrn die Rast mit dankbarem Schnauben und machte sich an das saftig grüne Gras und den hier und da wachsenden Klee. Aedon blinzelte durch die Baumkronen und schloss die Augen, um die warmen Strahlen der Sonne zu geniessen.
Ach Turaleth, wärst Du nur hier.
Die Elbe war seit einigen Wochen seine Gefährtin. Es erfüllte Aedon mit Gefühlen, die der junge, angehende Waffenmeister bislang so kaum kannte. Nur einmal, als er diese Mordeana kennenlernte.....doch das lag weit zurrück.
Er öffnete die Augen und blickte auf den Nacken des Hengstes.
Ach Jules, mein guter Jules. Was haben wir beide nicht schon alles erlebt, und doch scheine ich erst am Anfang all meiner Wege zu stehen. Wohin er mich wohl führen wird? Nur Illuvatar weiss dies wohl....
Er stiess ein stummes Gebet gen Himmel und schickte sich und Jules an, nach Hause zu kehren.

Nach Hause....
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Di 30. Dez 2008, 14:50

Nachmittags, auf der Wiese neben der sipplichen Heimstatt.

Aedon saß, angelehnt an der von der Sonne erwärmten Mauer des Hauses und betrachtete still seine beiden Hengste Jules und Brandor.
Kurz nachdem er das neue, prächtige Tier beim Züchter der Rossfelder erstand und auf Brandor gemächlich durch Bree und Stadel schlenderte, stieß er inmitten des dortigen Dorfplatzes M´Lady Celestiel mitsamt einem bis dato fremden Elben. Eldatirmo, so dessen Name, stellte sich später als doch recht angenehmer Zeitgenosse heraus. Die breesche Jagdhütte und, nicht zuletzt, die Anwesenheit Kelims sowie Numinehs, einer der dreckigen Söldner, trugen zu einem angenehm abwechslungsreichen Abend bei.
Aedon musste einmal mehr an die rätselhaften Pfeile im Baume nahe des Rathauses denken.

Ganz gleich, wessen Ursprunges sie auch entsprangen, man sollte sie als Warnung sehen.
Daß M´Lady dieser Tage so ganz und gar ohne schützende Begleitung unterwegs ist, verstehe ich einfach nicht. Sie riskiert mehr als notwendig....die Schwerter wären ohne sie, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, ein leichtes Fressen für den Feind.


Er erinnerte sich an die eigne Ungehaltenheit zu Beginn des Treffens und ärgerte sich im nachhinein über seine damalige Reaktion.
Sie wird mich verstehen und mir hoffentlich vergeben.

Einiges Tage zuvor noch tobte er wild gegen zwei Angmarrin, welche ihn um Aughaire überraschend aus dem Hinterhalt angriffen als er im Auftrage der dortigen Bergmenschen durch das Unterholz streifte. Im Eigentlichen hätte er, glaubte man Crannog, ihrem Anführer. lediglich auf Orks und Warghe, sowie vereinzelte Hügelbestien treffen sollen.
Jules wurde von einem Pfeil an der Hinterhand getroffen und leicht verwundet. Der ganze Vorfall und die Wucht des Angriffes besorgten den mittlerweile erstarkten Klingentänzer und drängten sich ob der Gegebenheit in Bree nochmals in den Vordergrund seiner Gedanken, und so reifte sein Entschluß.

Ich werde in den kommenden Tagen auf M´Lady achten. Meine Vorschläge versiegen ob meiner Zurrückhaltung doch gar zu oft ungehört - so sie diesem, sich einen Wächter zur Seite zu stellen, überhaupt ihre Zustimmung geben würde.
Sicherlich wäre es weniger ratsam, sie bei irgendwelchen offiziellen Treffen heimlich zu bewachen, doch offensichtlich reist M´Lady auch zu andren Zwecken allein durch die Ländereien. Ob es einen Grund gibt, dass sie sich derart in Gefahr begibt?


Mit einem verhaltenen Brummen schüttelte er, die eigne Frage verneinend, den Kopf, was ihm Brandors Aufmerksamkeit sicherte, der kurz vom saftigen Grün abließ und seinen neuen Herren sanftmütig musterte.
Jung und stark bist Du, mein braver Brandor. Nun können wir den guten Jules ein wenig entlasten, bis er wieder zu Kräften gesundet. Deine Schnelligkeit wird uns wahrlich förderlich zur Seit stehn, gar zu gut kann ich sie derzeit brauchen.

Er legte eine seiner Klingen auf seinen Schoß und begann, sie zu schärfen...
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Fr 9. Jan 2009, 21:05

Du musst unterscheiden, zwischen Akzeptanz und Disziplin. Noch nicht lang ist der Tag Deiner Aufnahme her, gib ihnen Zeit. Gib Dir selbst Zeit.
Aedon saß im Hinterzimmer auf dem Boden vor dem prasselnden Kamin im Schneidersitz, beide Ellbogen auf die Knie gestützt.
Es war der Abend nach ihrer ersten Formationsübung - nicht viele waren erschienen. Die Gesichter jener, die seinem Ruf folgten, hatte er sich längst eingeprägt, und einmal mehr sah er sie vor seinem geistigen Auge.
Da waren Kelim und Goindil, die beiden Khâzad. Schon seit seines ersten Scharmützels, damals, als er in der Nähe Archets ein Räuberlager aushob, wusste er sich auf deren Stärke und unerbittlichkeit, die Verbundenheit ihren Mitstreitern gegenüber, zu verlassen. Zwerge waren seine Gefährten, auch sie heuerten damals für wenig Sold, wie er. Die Khâzad der Meigol waren besonders.
Nicht minder besonders waren die beiden Hobbits, deren Namen er zu oft noch durcheinander brachte - Gavo und Gantur.
Er ließ sie vorweg marschieren, ihnen Mut zu geben, selbstvertrauen. Schon während des Übungstages durfte er bestaunen, wie rasch sie sich einzufinden wussten. Und, nebenbei, brachten sie stets Frohsinn - und Essen - unter sämtliche Schwerter. Er musste lächeln.

Auch Egin war gekommen.
Der vorderste Bogner war ihm eine mehr als willkommene Unterstützung, und Aedon war ihm dankbar. Ein leises seufzen entwich seinen Lippen, in den Impressionen des Tages hin und hergerissen.
Was wäre geschehen, hätte ich allein gestanden? Hätte ich versagt, wie es mir schon mit meinem Aushang gelang?
Zweifle nicht, Junge. Sieh Dich an. Längst hast Du Deinen alten Herren in die Schatten gebannt, ihn in Erreichtem übertroffen. Vertraue Dir selbst, wie sie es tun - jene, die Dir bereits jetzt schon folgten.
Mutter.
Es war, als spräche sie diese Worte - warm, liebevoll, von Geborgenheit getränkt durch und durch, wie sie es stets tat, waren beide allein.
Auch M´Lady Celestiel war gekommen, reihte sich gar ein in die ersten, zaghaften Versuche, Strukturen zu bilden. Selbst seinem späteren, beinah zu harschen Einwand ihr gegenüber, als sie zu Beginn des Marsches im Gespräch mit Numineh zurrückblieb, rügte sie nichts entgegen.

Alles wird gut, Schatz.

Er nickte stumm.

Ja, Mama...
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Mo 12. Jan 2009, 16:25

Aedon lag auf seinem Bett, in voller Montur, erschöpft vom geschehenen.

Lange hat dieses Treffen auch sich warten lassen. Umso mehr freut es mich nun, alle hier in einem Raum versammelt zu sehen. Mit der Absicht - so hoffe ich - zusammen eine gemeinsame Grundlage für weitere Vorgehen zu finden.

Dies waren die Worte Celestiels, welche das Treffen des Bundes Laid Ardhon an diesem Abend eröffneten.
Ehrenhaft waren gelegte Vorsätze, doch Ehrenhaftigkeit war nunmal nicht alles.

Berian, jener, wegen welchem alle gemeinsam Bluteten und Skathmur schliesslich erstürmten, war zurrück.

Falandir, der Lord der Teryner, trat zurrück.

M´Lady trat, nach aussen hin, zurrück.

Und Aedon, er dachte zurrück.

Rekapitulierte den Abend. Gedanken, die ihn trotz seiner großen Müdigkeit am Schlafe hinderten. Zuvieles war geschehen, zuviel unvorhersehbares.
Eine gemeinsame Grundlage für alle weiteren Vorgehen wurde nicht gefunden. Das Wesen Agar Teryn biß sich vor aller Augen selbst den Kopf ab und erbat sich, verständlicherweise, Bedenkzeit zwecks neuer Formierung.
Diese Zeit war nicht vorhanden.
Das Blut des jungen Heermeisters geriet in Wallung, je mehr er darüber nachdachte. Und es beruhigte sich nicht, kamen ihm die Söldner in den Sinn.
Gut, Felanaur könnte ein einigermaßen passabler Verhandlungspartner sein. Möglicherweise. Doch dieser "Diplomat",
Lue....
Es war gut, daß sich Aedon zurrückhielt, als alle sein Sprechen erwarteten. Kelim sprang in die Bresche, dann Anrangar. Und schliesslich schien der Diplomat der Söldner seine Geduld verloren. Und genau das war, was Aedon herausfinden wollte. Lue hatte zuviel Macht in diesem ganzen Spiel, wurde ihm deutlich.
Und er wusste es, machte keinen Hehl daraus.
Sicherlich, auch er selbst war im eigentlichen Anliegen des Abends, Angmar, die Offensive, nicht auf große Reden aus. Doch eine derartige Schwächung des Bundes durfte nicht sein. Eine Schwächung seiner Truppen in Form eines Durchsatzes, wie Lue ihn forderte, konnte er so nicht akzeptieren. Kein Heermeister Gondors könnte dies.

Eine gute Möglichkeit, die respektlosen, die sich...warum auch immer....um Respekt im Bunde mühten, zu prüfen.
Ein Söldner scherte sich nicht um Respekt. Zu oft focht er an Seiten solcher Leute...
Agar Teryn ging in jedem Falle vor. Er hatte sich nach dem Treffen mit Anrangar draussen zurrückgezogen, nachdem sie den Söldnern hinaus folgten. Diese berieten sich noch eine ganze Weile droben am Baume auf der Anhöhe.

Ein Rat, nach dem Rat. Das waren seine Worte gen Anrangar. Er hatte richtig vermutet.

Das Gespräch mit Anrangar, welches später durch Kelim bereichert wurde, vertrieb einige wenige seiner Sorgen und ließ einmal mehr Hoffnung keimen. Die gute Verbindung Anrangars zu diesem Elben der Teryner, welcher hintergründig doch einiges an Fäden in Händen zu halten schien, würde allen helfen. Alles beschleunigen vielleicht sogar, und, falls nicht, zumindest einiges Licht ins vorhandene Dunkel bringen. Auch in Sachen Söldner.

Er hatte Anrangar seinen Vorschlag dargelegt, einen Rat einzuberufen - die Offiziere und Celestiel. Rein, um
mehr zu erfahren. Wer führte im Eigentlichen die Söldner? Waren die Reiter schlicht so loyal, wie sie erschienen?
Zuviele Fragen kreisten im Schädel des Klingentänzers umher. Er schloss die Augen, und Schwindel erfasste ihn, sodaß er sie rasch wieder öffnete und sich aufsetzte, an die Wand gelehnt.

Nur ruhig, Corleanis. Du hast Dein Gesicht gewahrt. Nun gilt es, die wenige Zeit effektiv zu nutzen. Du stehst nicht allein. Denk nach....!
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Mo 19. Jan 2009, 14:08

Ein Hügelkamm in Forochel.

Aedon hatte sich zurrückgezogen auf der Suche nach Ruhe. Die kalten, verschneiten Berge Forochels kamen ihm entgegen, und die ansässigen Lossoth waren ihm dankbar. Man arrangierte sich – Aedon beschaffte Fleisch und Felle, die Menschen gaben ihm ein Zelt für die Nacht und wärmende Kleidung.
Nun saß er mitten im Schnee. Seine Augen schweiften über vereiste Bergkuppen und dem stahlblauen, dahinterliegenden Himmel. Kleine Wölkchen verließen seine Lippen. Er dachte nach, lächelte ab und an einerseits, wirkte besorgt, andererseits.
Ein Rascheln, keine Vierzig Schritte südöstlich seines Platzes entfernt, erregte seine Aufmerksamkeit. Ein Schneehuhn war auf die Äste eines Busches gesprungen, er sah noch den herabrieselnden Schnee. Das Tier machte sich zum Abflug bereit.
Still konzentriert wanderte ein Pfeil an die Sehne des Bogens, welchen er im weit entfernten Malenhad für seine Dienste erhielt. Kraftvoll zog er durch, das Gerät knarrte nur leise, er pflegte seine Sachen stets gewissenhaft.
Einen, zwei Herzschläge hielt er die Luft an. Das Schneehuhn begann flatternd, sich in die Luft zu erheben. Er korrigierte die Flugrichtung des Pfeiles und entsandte den tödlichen Boten.
Einige Meter über dem Boden durchschlug das Geschoss das Tier, welches anschliessend trudelnd zu Boden stürzte. Der Klingentänzer steckte den Bogen in den tiefen Schnee, zog seinen Jagddolch und stapfte hinüber zu seiner Beute. Seit Stunden hatte er in Gedanken dort gesessen und wusste um keine drohende Gefahr.
Er beugte sich über die erlegte Henne. Sein Schuß gelang wahrlich gut, er feilte zusehends an seinen bognerischen Fähigkeiten. Das Tier lag sauber dort und wahr wohl bereits tot aufgeschlagen.
Feine, rote Sprenkel leuchteten klar und rein im jungfräulichen Schnee. Sacht hob er seine Beute auf und trottete zurrück zu seinem Platz, wo er sich umgehend daran machte, die Henne zu rupfen und auszunehmen. Ein frisch entfachtes Feuer brannte rasch, und nicht viel später briet das Fleisch an einem Stock darüber. Ein zuvor erhitzter Tee wärmte die klammen Glieder Aedons.
Als der Duft des Bratens begann, verführerisch seine Nase zu reizen, sah er abermals auf gen Himmel. Er dachte an das kleine Haus am See, an seine Gefährtin….und lächelte.
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Mi 21. Jan 2009, 11:47

Es war einige Tage her, dass der junge Heerführer Forochel in Richtung Bree verliess. Er genoß seine Zeit dort, doch nun sollte er zurrückkehren. Zu vieles stand an.
Er freute sich auf Turaleth. Darauf, gemeinsam mit ihr im eignen Heime am Kamin vom frischen Fisch zu kosten, den er höchstselbst im naheliegenden See fing. Darauf, gegenseitig Wärme und Lager zu teilen. Er lief gemütlich den Kastanienweg hinauf, Jules hinter sich locker am Zügel führend. Tag für Tag besserte sich der Zustand des Waldpferdes, und in Kürze würde eine lederne Stütze dessen Hinterhand zusätzlich vor kleineren Schrammen schützen.
Er kam von Wodesfurch her, besuchte dort zuvor das Gebäude von Amboss und Feder.
Dort hatte Aedon sich durch gutes Kartenmaterial dankbar gezeigt für die Gastfreundschaft, welche ihm und den andren am Vorabend entgegen gebracht wurde. Hatte etwas vom schweren Roten gekostet, der dort ausgeschenkt wurde. Hatte Eleanya von den Reitern zufällig getroffen.
Sie bat um ein Treffen, nachdem man sich etwas unterhielt und Aedon hoffnungsvolle Worte bezüglich Donnvail, Angmar, fallen liess. Er willigte ein, sie in den nächsten Tagen zu treffen, nicht ohne jedoch eindringlich die rein militärische Stellung seinerseits zu verdeutlichen.

Diplomatie war andren überlassen, und er wahr froh darüber. Strategien anzuwenden und dem keifenden Feinde entgegen zu rennen, um die eignen Klingen mit dessen Blut und Speichel zu benetzen, lag ihm eher. Das war seine Bestimmung. Das, und…sie…..er lächelte versonnen, als mit diesem Gedanken scheinbar einhergehend ein Sonnenstrahl durch das Blätterbach stiess und ihn blinzeln liess.

Eine alte, gondorsche Schlachtenmelodie summend, blickte er auf seiner kurzen Wanderung immer wieder in die Kronen der Kastanien hinauf. Turaleth hatte sich, wie auch er selbst, schon beim ersten Gang den Weg hinauf wohl gefühlt. Er war schon sehr gespannt auf das, was sie ihm vorbereitete, sprach sie doch von einer Überraschung für ihn, bei ihrem letzten Treffen.
Er hatte sein Herz an sie verloren. Oder das Ihre für sich gewonnen. Einmal mehr konnte der veränderte Blickwinkel alles besser erscheinen lassen. Obschon es für Aedon, so gestand er sich selbst ein, nichts denkbar bessres als diese Elbe geben konnte. Sie und die Gemeinschaft der Meigol i Estel waren sein Leben, erfüllten ihn mit Glück, Stolz, Liebe und Freundschaft, bewegten seine Tage, erfüllten ihn, forderten ihn.
Neulich erst sprach sie ihm Worte in Bezug auf seinen Vater zu. Es waren warme, Kraft spendende Worte, die ihn mehr und mehr beruhigten. Sie gab ihm, manches mal, eine Art inneren Frieden, wie er ihn zuvor nicht kannte. Sie war sein Ausgleich zum nur allzu oft angespannten Leben eines Heerführers.
Langsam wurde aus dem Soldaten also ein Manne….
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Re: Stumme Worte

Beitrag von Aedon Cornealis » Fr 23. Jan 2009, 16:20

Der Kamin in seinem Arbeitsraum war heruntergebrannt, als er die Leuchter löschte.
Karten waren wohlsortiert und in Leder gewickelt und geschnürt, bereit gelegt.
Der kleine, noch junge Singvogel gefüttert, die Stiefel geputzt. Rüstzeug und Klingen gefettet und gerieben.
Aedon griff ein weitres Mal nach den Stutzen seiner gepanzerten, aughairschen Handschuhe, um daran zu zupfen. Ein weitres Mal überflog er alles im Kopf, nickte sich dann selbst zur Bestätigung zu. Alles war gut Vorbereitet, alles bedacht.
Er nahm die Pergamentrollen vom Tisch und ging hinaus. Brandor wartete grasend, frisch gestriegelt und gesattelt, auf der Wiese neben dem Häuschen.
Wieso regnete es an solchen Tagen nur meisst?
Er schob die Karten in seinen Wams und legte seinen Umhang um, zog die Kapuze über seinen Kopf und setzte sich auf das Schlachtross. Ein Blick gen Himmel, ein Zucken seiner Schenkel, und der Braune trottete langsam los – gerade so, als wenn ER angespannt wäre ob des vor ihnen liegenden Treffens.
Es ging zum Termin mit Eleanya von den Reitern, welche ihn dringlichst darum gebeten hatte, nachdem man sich im Hause von Amboss und Feder ein wenig, mehr flüchtig, über Donnvail unterhielt. Aedon pochte auf seine rein militärisch Haltung und würde hiervon auch nicht abweichen.
Eine Meise flog hüpfend durch den Regen an ihnen vorbei, hinüber in einen Wacholderbusch.
Die Reaktion der Reiterin liess ihn vermuten, dass sich auch bei den Reitern einiges tat in Sachen Angmar. Wie sie wohl dachten, darüber und über die Neuerungen der Meigol….
Er hasste diese Unsicherheiten seinerseits. Es gab nur wenig schlimmeres, als durch unerwartete Worte sprichwörtlich aus dem Sattel gehoben zu werden. Er würde sich auf das Wesentliche beschränken – auch, was Informationen seitens der Reiter betraf.
An diesem Abend würde er Turaleth wiedersehen. Es war wieder einmal einige Tage her, seitdem man sich das letzte Mal sah, und er freute sich darauf. Er würde auf dem Heimweg noch Schinken, Käse und frisches Brot besorgen, sowie einigen Isenwein. Sie würden einen ruhigen Abend verbringen, sich unterhalten, den Gesang des Regens an den Fenstern und auf dem Dache geniessen und sich irgendwann gemeinsam vor einem der beiden Kamine aneinander schmiegen.

Früher zog es ihn hinaus….
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