Lehrreiche Blutergüsse..

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Aedon Cornealis
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Lehrreiche Blutergüsse..

Beitrag von Aedon Cornealis » Mo 13. Okt 2008, 21:56

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...lässt er sich, angekommen auf der Wiese vor seiner neuen Heimstatt, dem meigolschen Sippenhause, von Jules´ Rücken gleiten. Der Hengst, glänzend vom ungewohnt langen Ritt, schenkt dankbare Aufmerksamkeit den saftigen Gräsern und schnaubt wohlig.
Aedon hingegen zwingt seine noch weichen Knie zum Gehorsam, wankt in den Schatten des großen, schon liebgewonnenen Gebäudes, um sich mit dem Rücken am kühlenden Steine hinabrutschen zu lassen. Das Kettenhemd unter leisem Ächzen abgestreift, werden dunkle Flecken, Blutergüsse, auf beiden Armen begutachtet.
Dann sieht er an sich herab, die Lider schwer, und, einmal mehr lächelnd, obsiegt der Schlaf des Überlebenden...

...und lässt erlebtes noch einmal emporsteigen im Traume....

Die Baustätte. All die neuen, teils noch fremden Waffenbrüder und -schwestern. Glückswellen, entfacht durch das neue, heimische Gefühl. Gute, tapfre Gesichter. Begrüßungen, Verbeugungen, Lächeln - als stünde ein Festmahl bevor, keine Schlacht.
Gemeinsame Wanderschaft. Junger Regen, die sie umgebende Natur stärkend. Melodien, gepfiffene, gesungene Boten von Melancholie und Freude. Ungleiche Geschwister...

Amon Raith. Rasanter, gemeinschaftlicher Ritt. Nach Esteldin!

Noch mehr fremde Gesichter voller Stolz, Mut, Furcht. Dreckige Söldner, rohansche Reiter, Agar Teryn, Meigol i Estel. Klangvolle Namen von Sippen voll Ehre und Freundschaft. Elben, Zwerge, Menschen, gar Hobbits scheuen nicht das bevorstehende Grauen - Hoffnung wird in solchen Momenten geboren.
Die Führer der Scharen beraten sich, der Regen nimmt zu. Man nickt einvernehmlich, Befehle werden gebellt - es geht los! Wieder ein Ritt, in vielfacher Mannstärke den zuvor. Verwirrt durch Furcht und Freude, kann er nur eines...Lächeln.

Angmar...seltsam leicht bewachte Tore, nur vereinzelte Bergmenschen und Biester, die im Wahn die Übermacht angreifen - und binnen weniger Wimpernschläge ihr unheiliges Leben verschenken.
Dunkler Himmel, immernoch kalter, starker Regen. Spähtrupps werden entsandt, kehren zurrück. Unendliches Warten dazwischen. Nur Gesten befehlen, der Trupp setzt sich in Bewegung. Eine letzte Prüfung von Schutz und Pfeil. Kein Pfeifen mehr. Kein Licht...

Dann geht es schnell. Herrn Kelim, seinen Mentor, hat er noch im Blickfeld, als die ersten seiner Pfeile sirrend die Sehne verlassen. Riesige Orks greifen den Trupp an, Verbündete in Rot schlagen bereits wild um sich.
Viele benötigen die Künste der Heiler nach dem ersten, noch wirren Ansturm der Streiter der Freiheit. Durchatmen, dem Heiler ein dankbares Lächeln schenkend, wird der Umhang, welcher sich als hinderlich erweist, kurzum gerollt am Rücken gebunden. Sie sammeln sich...

Pfeile durchschlagen Rüstungen, teils steigern sie nur Wut und Wahn der getroffnen Bestien, doch sie fallen!
Schwertlänge um Schwertlänge treiben sie sie zurrück. Kelim tobt Seit an Seit mit fremden Zwergen. Eogarth, schlitzend, schnell, wie ein Schatten inmitten der Orks. Eine Söldnerin, die einen Ork fällt, dreht sich kurz, ihr Mund legt ein weißes, blutumrandetes Lächeln frei, als sie sich wieder gegen den Feind wirft.

Er hält sich bei einer handvoll Bogner auf einer anhöhe und verteilt seinen Gruß per gepflegter Sehne, als es geschieht. Zwei, vier, nein fünf Orks durchbrechen die forderen Reihen und stürmen seinen, ihrem Hügel! Sein Bogen sinkt ungläubig...

...Herzschlag, überlaut....

...Perlen von Schweiß tanzen unbemerkt die Stirn herab.....

Stille. Lautlos schreiende Gesichter, blutend. Fratzen von Orks. Schwere Schritte, wahrgenommen durch den bebenden Boden. Er streift sich den Bogen über, verstaut die beiden wartenden Pfeile, zieht seine Keulen.
Ein Schrei, sein Schrei....Lärm. Die Welt um ihn scheint sich dem Wahnsinn anheim zu geben.

Aedon rennt. Rennt direkt auf die heranstürmenden Orks zu, sucht seine Lücke. Duckt sich unter einem rostigen Säbel hindurch, schlägt dem Angreifer im vorbeirennen in den Rücken. Etwas dumpfes trifft seinen linken Oberarm, er schreit abermals - und rennt weiter, nur weiter auf die gegenüberliegende Höhe zu.
Angekommen, dreht er sich geschmeidig, seine linke schmerzt. Die Bogner legen die gerade überwundenen Orks. Rechts von ihm, Kelim und die Zwerge, Knochen und Fleisch schmiedend.

Der grüne Umhang Celestiels erscheint in der Senke links von ihm, nahe einer Holzpalisade. Alles wird gut...

Er steckt die Waffen weg, zückt Bogen und Pfeil. Drei im Mund, zwei in der rechten, einer auf der Sehne. So hat es ihm sein Lehrherr gepredigt, tagein, tagaus...Sein Blick wendet sich nach links, wo sich, zwischen Palisade und Felswand, eine Anhöhe gebärt, folgt Schreien.

Trolle!

Drei. Groß. Verdammt groß. Nichts im vergleich mit harlogschen, nein. Schwer prallen Axt, Schwert, Keule und Pfeil, Magie und Hoffnung laut dröhnend gegen Eisenplatten, dick wie Kinderärme, welche die Monstren schützen.
Die Zwerge, einmal mehr. Scheinbar unerschöpflich wirkt ihr Kraftspeicher. Prügeln auf den übergroßen Feind, als sähen sie ihnen in die Augen. Ein Schrei ertönt.

Troll fällt!
Alle stieben auseinander, Berge von Fleisch donnern zwischen die eignen Reihen. Pfeil um Pfeil geht auf die Reise, verlässt die Sehne, die ihn hell verabschiedet. Stiller Flug. Näherndes Ziel. Der Aufschlag. Brüllen verstummt, der Ork verdreht die Augen und sackt zusammen. Treffer!

Das kleine, tapfre Heer nimmt die Anhöhe im Sturm, Ork um Ork fällt, Trolle versagen im wütenden Sterbenskampf, um sich schlagend, Knochen brechend noch im Tode. Dann: Ruhe.

Ein paar Männer, gänzlich fremd, stehen vor einem Zelt, reden, unhörbar. Er schleppt sich zu den seinen. Den seinen! Der Kampf schmiedet zusammen, er fühlt sich einem jeden eng verbunden. Einige wenige Orks und Trolle erscheinen auf der Bildfläche, er tut, was ihm gelehrt wurde, sich immerweider wachsam umblickend...Kelim...Eogarth, dort...und Celestiel.

Als ein mächtiger Uruk erscheint, verschwimmt alles..

Blinzelnd sieht Aedon sich um. Sein Nacken schmerzt. Sein linker Arm ebenfalls. Er reibt sich die Augen mit der rechten und erhebt sich, still stöhnend, um sich ins Haus zu begeben. Drinnen duftet es wohlig, der Tanz der Flammen des Kamines spielt fröhliche Spiele auf den umliegenden Wänden. Diese Bank wirkt ganz wundervoll gemütlich, und so legt er sich darauf, da ihm noch kein Raum zugewiesen, dort ab, um wieder..


......im Schlafe zu versinken.
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