Evie

Schreibt hier die Geschichte Eures Charakters nieder.

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Ninnie
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Evie

Beitrag von Ninnie » Do 17. Feb 2011, 11:48

Evie trottete durch die Straßen Brees. Die Leute, die ihr entgegenkamen, wichen ihr aus, doch nicht aus Respekt vor dem Wappen auf dem Waffenrock, da war sie sich sicher. Sie war eine Wache, und das bedeutete meistens Ärger.

Zum größten Teil jedoch für sie, nicht für die Leute, denn die meisten in dieser Stadt waren entweder unverschämte Fremde, die die Breeländer für einen Haufen ungebildeter Bauern hielten, oder aber Verbrecher, die ebendiese Reisenden um ihre Habe erleichterten. Evie bemerkte einen handfesten Streit in einer Seitengasse und blieb stehen. Die Kontrahenten bemerkten sie und verstummten. Evie ging weiter. Selbst wenn es wüst geworden wäre, sie hätte nicht eingegriffen. Die beiden wären um die nächste Ecke gegangen und hätten ihren Disput fortgesetzt. Evies Enthusiasmus, den sie noch als Rekrutin gehabt hatte, war verloren gegangen. Sie wusste, daß die Stadt zwar gut behütet war, doch ohne das Umland war die Stadt nicht überlebensfähig, und die Bannwarte waren zuwenige… einfach zuwenige. Als sie einmal als Rekrutin Wachtmeister Eichhorn darauf angesprochen hatte, wurde er ärgerlich und schickte sie wieder auf die Straße, statt Märchen zu erzä¤hlen, wie er es nannte. Es war den Wachtmeistern und dem Hauptmann solange egal, bis die Orks höflich ans Tor klopften. Schon zwei Orte des Breelandes waren verheert worden, Schragen und Archet, doch man wollte die Gefahr offenbar nicht erkennen, die drohte, wenn mit den umliegenden Dörfern auch die Versorgung mit Nahrung ausgeschaltet werden würde, falls die Feinde, die aus allen Richtungen kamen, durchbrechen würden - oder schlimmer noch, sich gar verbünden würden.

Evie ging langsam und gelangweilt über die Straße des Gutshofes, der einzige Hof innerhalb der Mauern. Er würde nichtmal einem Teil der Bevölkerung versorgen können. Sie sah sich um, spähte über die Stadt hinweg nach Süden, von wo die Dunländer schon bis in Sichtweite der Stadt herangerückt waren. Sie blickte nach Norden, wo hinter den Hägeln Schragen lag, weit entfernt, die Grenze des Breelandes. Die übrigen Bewohner des Dorfes hielten die dortige Brücke tapfer gegen die Orks aus dem Norden, die dort gnadenlos immer und immer wieder angriffen. Dann sah sie in Richtung Osten, zum Chetwald und den Mückenwassermooren. Dort verschanzten sich Bilwisse und Schwarzwold-Räuber… was sie anrichten konnten, sah man, wenn man nach Archet kam. Würde Bree auch einmal so aussehen? Oder gar schlimmer?

Evie schüttelte den Gedanken an Archet ab, und an ihren Onkel, den sie dort verloren hatte. Er wollte die Werkstatt retten, doch das Feuer kannte kein Mitleid. Er schaffte es nicht mehr, das Gebäude zu verlassen, und… Evie stampfte zornig mit dem Fuß auf und verdrängte mit geballter Faust den erneuten Gedanken an Archet. Es musste etwas geschehen… sie musste mit Dornster reden. Sie konnte nicht so tun, als wäre alles in Ordnung, während schon das Breeland um die Stadt herum im Dunklen versank. Wie es die anderen Wachen schafften, so unbekümmert zu bleiben, war ihr ein Rätsel. Sie atmete tief ein und ging los, Richtung Rathaus, Richtung Dornster, vielleicht in Richtung ihres letzten Tages bei der Wache…
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Re: Evie

Beitrag von Ninnie » Do 17. Feb 2011, 11:49

Evie nahm undeutliche Stimmen wahr. Der Schmerz in ihrer Schulter war kaum noch zu spüren, aber nicht weil es nicht mehr weh tat, sondern weil man ihr irgendetwas gegeben hatte, das die Schmerzen linderte. Halb im Traum dachte sie unendlich lange darüber nach, was geschehen war.

Sie hatte nicht den Mut gehabt, dem alten Soldaten gegenüberzutreten und ihm ihre Meinung zu sagen, war in der Wache geblieben und hatte brav ihren Dienst weiter verrichtet. Vielleicht sollte sie auch zu saufen anfangen, wie Wachtmeisterin Valdrvior, und hin und wieder in die Mondsteinmaske gehen, um auf andere Gedanken zu kommen. Es war ja alles in Ordnung, das konnte sie sich sicher irgendwann einreden, wie die anderen. Zumindest war bis vor kurzem alles in Ordnung, bis….

… bis sie den blutenden Mann gesehen hatte, der zusammenbrach und von einem Angriff vor dem Gefängnis berichtete. Sie war nachsehen gegangen, hatte aber nichts gesehen. Als sie zurückwollte, kam er wie von der Blutfliege gestochen aus dem Gefängnis gerannt. Als er ihrer gewahr wurde, griff er sofort an. Evie reagierte augenblicklich und zog das Schwert, doch er war schneller… der Dolch drang zuerst ein, ohne daß sie etwas spürte, nur den Stoß gegen die Schulter. Dann, erst Sekunden später schoß ein grauenhafter Schmerz durch ihren Körper. Sie blickte nach links und sah den Griff aus sich ragen. Dann wusste sie nichts mehr…

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Jetzt wo sie so dalag, und nachdachte, kam es ihr immer unheimlicher vor. Weiße, schwarze und andersfarbige Gestalten schwebten um sie. Im Hintergrund ein stetiges Grollen. Sie musste auf dem Weg in Bémas Reich sein, des Hornbläsers, in dessen Hallen sich alle Rohirrim versammelten, wenn sie ihren irdischen Leib verließen und auf den Tag der Rückkehr warteten. Sie murmelte seinen Namen, und tatsächlich näherte sich ihr ein weißer Schemen, ließ sich neben ihr nieder, und auf einmal wurde der Schmerz wieder präsent. Sie war nicht tot, denn im Tod gab es keinen Schmerz, da war sie sich sicher. Das musste ein Heiler sein, den ihre Kameraden geholt hatten. Eine Heilerin, verbesserte sie sich, als ihr Blick klarer wurde und sie eine Frau erkannte. Auch Dionisos war da, er hatte sie verteidigt, als sie zu Boden gegangen war. Um sie herum standen auch Lambert, Achona, Essa und Nedward sowie ein Elb, der ihr bekannt vorkam. Während sie überlegte, wer das sein könnte, durchschoß sie wieder ein Schmerz, das Atmen fiel ihr immer schwerer, der Schmerz jetzt war schlimmer als vorher. Sie sah nach links, der Griff war weg, doch sie war über und über mit Blut besudelt, ihrem eigenen Blut. Es war soviel davon auf ihrem Rock und auf dem Boden, daß sie kaum glaubte, es könnte noch was davon in ihr sein. Wieder überkam sie die Erschöpfung und sie dämmerte erneut weg.

———————————

Evie erwachte im Dunkeln, in ihrer Kammer. Langsam nahmen die Umrisse um sie Kontur an, und sie erkannte Dionisos, der an ihrem Bett Wache hielt. Sie bat ihn, einen Brief für sie zu schreiben. Sie merkte, wie schwach sie war, und trotz der Beteuerungen von Dionisos, daß sie überleben würde, bestand sie darauf. Er seufzte und holte Feder und Papier.

Sie wollte ihm etwas diktieren, doch das Sprechen viel ihr schwer, und sie brachte nur einige krächzende Worte heraus, bevor wieder alles dunkel um sie wurde. Lynn… ihre Schwester… sie… musste… ihr…





Dunkelheit.

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Evie schreckte leicht auf, als jemand an ihrer Schulter hantierte. Sie schlug die Augen auf und erkannte Helluina. Ihr hatte Evie nach ihrem Unfall geholfen, als sie “vom Dach gefallen” war. Nun war sie da, warum wusste sie nicht. Sie spürte, wie der pulsierende Schmerz in ihrer Schulter schwächer wurde, und auch das Atmen endlich leichter fiel. Helluina murmelte etwas in einer fremden Sprache und Evie dämmerte wieder weg, alles verschwamm vor ihren Augen und diesmal sank sie endlich in diesen tiefen, traumlosen Schlaf, in dem es keine Schmerzen mehr gab…
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Re: Evie

Beitrag von Ninnie » Do 17. Feb 2011, 11:51

Evie wischte sich den Schweiss von der Stirn und blies ärgerlich eine herabhängende Strähne ihres roten Haars aus ihrem Blickfeld. Dann packte sie mit der Zange wieder das Kettenglied, fügte es an die bereits bestehende Eisenkette an und klopfte die glähenden Enden zusammen. Anschließend hängte sie die kleine Kette, die einmal Teil einer Rüstung werden sollte, in den Wasserbottich. Dampf stieg auf, als das Eisen abkühlte. Evie sah einen Moment auf und ließ den Blick über den Dorfplatz von Stadel schweifen. Ja, es war ruhig hier, das stimmte. Aber es war eine verdammt schwere Arbeit, jeden Tag sich bis auf die Knochen zu schinden, nur um abends ein karges Mahl aus mehligem Brot und dünnem Bier auf dem Tisch stehen zu haben. Wenigstens war der Winter vorbei, denn für Feuerholz fehlte ihr das Geld. Während der Dampf langsam nachließ, schweiften ihre Gedanken ab, zu dem Tag zurück, als sie die Stadtwache verlassen hatte.
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Einen Monat früher

Der Hauptmann hatte einen besonders schlechten Tag gehabt, er hatte die ganze Truppe, samt Wachtmeister, sogar die Nebelkrähe von Oberwachtmeisterin, um den Rathausplatz rennen lassen. Evie konnte nach sieben Runden nicht mehr und fiel in ein schnelles Gehen - sie war kaum drei Schritte gegangen, da stand er schon hinter ihr und brüllte sie an. Sie wurde wütend und ging erst recht langsam, was ihn zu noch härterer Antreiberei veranlasste. Die Wache marschierte dann Richtung Norden, bis zu Dornlags Hof, und sie war bereits da fest entschlossen, hinzuwerfen. Es war die Mühe nicht wert, sich für die Wache aufzuopfern. Sie war während ihrer Zeit dort zweimal verwundet worden, einmal fast auf den Tod. Sie war hinterrücks niedergestochen worden und hatte zwei Wochen mit dem Tod gerungen. Nicht einmal besucht hatten Haupt- und Oberwachtmeister sie. Lediglich ihre Kameraden der Mannschaftsdienstgrade waren ihr nicht von der Seite gewichen. Als sie soweit genesen war, weigerte man sich, sie zwar wieder sofort Dienst tun zu lassen, verbot ihr aber auch, sich frei in der Stadt zu bewegen. Bereits da war ihre Wut auf die Führung der Wache täglich gewachsen. Die einfachen Wachen hatten es nicht leicht - täglich waren sie Anfeindungen oder sogar Tätlichkeiten ausgeliefert, die wenigen, gegen die man vorgehen durfte, kamen kurze Zeit später triumphierend frei und fingen von neuem an, Unruhe zu stiften. Es glich einem Kampf gegen Windmühlen. Beschwerden oder Kritik an diesem Zustand wurden vom Hauptmann oder der Oberwachtmeisterin mit Standpauken quittiert - eine Wache beschwert sich nicht, sie tut das was ihr befohlen wird!

Evie hielt es nicht mehr aus, sie konnte so nicht weitermachen. Sie wurde bei Kleinigkeiten ausfallend und wendete zu oft und zu viel Gewalt an, gegen Bettler, gegen Kleinkriminelle… ihre Kameraden versuchten, sie so gut wie möglich einzubremsen - meist mit wenig Erfolg. Nach dem Tag, an dem der Hauptmann die Wache geschliffen hatte, setzte sie sich an ihren Tisch in der Kaserne und schrieb dem Alten einen Brief - sie würde gehen, egal was er sagen würde. Keiner konnte sie zurückhalten, nicht Dionesios, der versucht hatte, es ihr auszureden, nicht Wachtmeister Eichhorn, der sie schon einmal mit der Feder in der Hand über dem Entlassungsschreiben überreden konnte, nicht die Unterschrift darunter zu setzen. Und schon garnicht Hauptmann Dornster und Valdrvior… dem einen war es egal und der anderen ganz recht, wenn sie ginge - so dachte sie jedenfalls. Sie faltete den Brief sorgfältig und legte ihn auf den Tisch des Hauptmanns. Nicht sonderlich ordentlich, denn Valdrvior würde sowieso wieder “zufällig” vorbeikommen, die geschlossene Tür offen stehen sehen und in den Papieren herumschnüffeln.

Sie packte in aller Stille und ging Richtung Südtor. Ihr Entschluss stand fest, sie würde zum Fürsten von Minas Faer gehen, der derzeit, wie sie im Pony erfahren hatte, Wachen suchte. Er hatte ihr einmal angeboten, “ihr beizustehen, wann immer sie seine Hilfe brauchte”. Ihr gehörte seit einiger Zeit ein kleines Häuschen in der Siedlung im Chetwald, in dem sie unterkam, bis sie etwas besseres fand. Die Torwachen runzelten angesichts der frühen Stunde und ihres offensichtlichen Reisegepäcks die Stirn, als sie mit ihrem Bündel ankam. Nana Affalter warf ihr einen fragenden Blick zu, als sie das Tor entriegelte, sagte aber nichts. Sie ließ sie durch das Tor und schloss es mit einem dumpfen Schlag wieder, als Evie aus der Stadt war. Kaum war das Tor hinter ihr zugefallen, fiel eine große Last von Evie ab - sie war wieder frei, kein Wachdienst im Pony mehr, keine Beleidigungen über die dumme Wache, darüber daß ihre Mutter ein Troll gewesen ein musste, was man doch klar an ihrer Nase erkannte, oder daß die Valar es wohl mit der Hässlichkeit bei ihr übertrieben hatte - all das, was sich eine Wache so den ganzen Tag anhören musste.

Lächelnd - seit Monaten das erste Mal wieder - ging sie Richtung des Chetwaldes, über dessen Wipfeln die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages den Tau auf den Wiesen glitzern ließen. Ihr neues Leben begann.

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Evie zog die Kette aus dem Bottich und ging zur Werkbank. Sie warf die Kette auf den Tisch und ließ sich auf einen Schemel fallen, griff zu dem irdenen Krug und setzte ihn an die Lippen, tat ein paar tiefe Züge und schloss die Augen. Ja… ein neues Leben. Und was für eines! Bei der Wache war wenigstens nicht Schmalhans Küchenmeister gewesen. Aber sie arbeitete nun für sich selbst, nicht für eine Stadt, die sie wie Dreck behandelte, nicht für einen Bürgermeister, den die Wache nicht kümmerte und nicht für Vorgesetzte, denen die Bedürfnisse der unteren Ränge egal waren. Sie stand auf und packte einen kleinen Barren Eisen, fasste ihn mit der Zange und hob ihn in die Esse, drehte ihn langsam um ihn von allen Seiten zu glühen. Während das Eisen langsam weich wurde, dachte sie daran, wie sie damals voller Hoffnung nach Wodesfurch gegangen war, schon spät am Abend, um beim Fürsten von Minas Faer vorzusprechen.
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Sie war an jenem Abend zu dem großen palastartigen Bau in Wodesfurch gegangen, in der Hoffnung, den Fürsten dort anzutreffen. Sie hatte Glück - er war da und sie wurde von einem kahlköpfigen Wächter vorgelassen. Beim Fürsten war auch seine Gemahlin. Er hörte Evie an, als sie ihn darum ersuchte, in sein Haus als Wache aufgenommen zu werden. Er erinnerte sich an sie als Stadtwache, und wollte wissen, warum sie diese verlassen hatte. Evie sagte es ihm. Sie erzählte von den ständigen Querelen mit denen, die sie eigentlich schützen sollte, die jedoch bei jeder Gelegenheit eine Wache foppten und beleidigten. Sie erzählte von den unträglichen Bedingungen als Wache in Bree, davon wie viele der Leute am Tag nach der Verhaftung wieder frei waren und daß ihr das alles zuviel geworden war. Sie fiel aus allen Wolken, als er ihr eröffnete, daß er sie für feige hielt, daß sie seiner Ansicht nach die Stadt verraten hatte und alle die darin lebten, und er ihr daher nicht vertrauen könnte - sie folglich nicht als Wache nehmen konnte. Evie stand da, wie vor den Kopf geschlagen und verdaute die Worte. Er setzte nach und belehrte sie noch von oben herab, wie man ihn gefälligst anzureden hatte. Sie unterdrückte den Drang, ihm ihre Meinung zu sagen, und ballte die Fäuste, dankte ihm für seine Zeit und wünschte einen guten Abend. Als sie sich zum Gehen wandte schickte er ihr noch hinterher, sie solle in Zukunft auf ihre Manieren achten. Als ob es nicht schon reichte, sie einen Feigling und Verräter zu nennen, nein, er musste sie auch noch belehren! Nur er würde ein Gespräch beginnen - und es beenden. Sie hätte zu warten bis er sie entließ, und nicht einfach zu gehen! Sie musste sich zusammenreißen, um einfach den Mund zu halten und nicht ihrer Wut freien Lauf zu lassen. Sie ging einfach hinaus - mochte er das Gespräch beenden oder es als beendet ansehen, wie es ihm beliebte.

Draußen knurrte sie vor Wut und trat frustriert gegen den Gartenzaun. Was bildete er sich ein! Wo glaubte er zu sein, in seinem Fürstentum? Er hatte sie gedemütigt, sie bloßgestellt und sie Verräterin und Feigling genannt. Sie bezweifelte, daß er wusste, was in ihrer Heimat mit jemandem passieren konnte, der einer Tochter Rohans dies ins Gesicht sagte: Von demjenigen würde vermutlich sofort von deren Vater, ihrem Bruder oder nötigenfalls der Rohirrim selbst Genugtuung gefordert. Sie staute ihre Hass auf, bis sie zuhause war, dann warf sie laut die Tür ins Schloss und sank von innen gegen das Holz. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten und heulte wie ein Schlosshund. Sie wusste nicht, was sie getan hatte, daß dieser… aufgeblasene Kerl sie feige nennen durfte, niemand durfte das! Nur weil er mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden war, glaubte er, sich alles erlauben zu können…

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Evie zog den hell glühenden Eisenbarren aus dem Feuer und legte ihn auf den Amboss. Wütend schlug sie auf den Klotz ein. Bei jedem Hammerschlag stoben die Funken und sie starrte zornig auf den Barren, hämmerte darauf herum, als könnte er etwas für all das, was geschehen war. Hammerschlag. Minas Faer. Hammerschlag. Stadtwache. Hammerschlag. Dornster. Hammerschlag. Valdrvior. Hammerschlag. Hunger. Hammerschlag. Kälte. Hammerschlag, Hammerschlag, Hammerschlag. Sie ließ die Zange los, der Barren fiel vom Amboss, sie packte den Hammer nun auch mit der zweiten, freien Hand und schlug blind vor Wut ein paarmal auf den blanken Amboss, um sich abzureagieren. Dann stand sie keuchend da und beruhigte sich langsam wieder. Warum war sie von zu Hause nur fortgegangen? Sie hätte auf dem Hof bleiben sollen, da wusste sie wenigstens, daß sie Menschen um sich hatte, denen sie etwas wert war. Hier dachte dagegen - bis auf wenige Ausnahmen - jeder nur an sich selbst. Wenn manche überhaupt dachten. Sie hatte sich wieder etwas beruhigt und griff nach der Zange. Seufzend hob Evie den Barren auf, legte das noch glühende Werkstück auf den Amboss und begann wieder mit dem Hämmern. Sie musste arbeiten… sie musste das Vergangene ruhen lassen.

Zumindest vorerst.
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Re: Evie

Beitrag von Ninnie » So 23. Okt 2011, 11:22

Jahre später

Evie würgte und erbrach sich erneut. Sie lag schweißnass in ihrem Bett und fühlte sich, als würde eine ganze Pferdeherde in ihrer Brust auf und ab galoppieren. Ihr Herz raste und sie blinzelte, um diesen gelben Schleier vor den Augen verschwinden zu lassen - zwecklos. Sie ließ sich in das nasse Kissen zurückfallen, die Haare wirr übers Gesicht hängend und starrte schwer atmend an die Decke. War das das Ende? Würde sie sterben? Sie fühlte sich elend, wie lange nicht mehr. Zuletzt ging es ihr so, als sie die Wache verlassen hatte, und auch dieser gondorianische... Kerl sie abgewiesen hatte wie einen bettelnden Streuner, statt ihr eine Anstellung zu geben.

Sie war lange Zeit in Stadel gewesen, hatte Türscharniere geschmieden, Wagenräder neu mit Stahl bezogen oder Pflugschare zurechtgebogen. Es war nicht viel gewesen, was sie damit verdiente, sie hatte ihr Haus aufgeben müssen, und war in ein kleineres umgezogen. Erst viel später hatte sie die Handwerker von Amboss und Feder auf einem Markt getroffen - und sie suchten dringend noch jemanden mit Schmiedekenntnissen. Sie nahm dankbar an, und profitierte in den Monaten danach immer mehr von dem weitreichenden Netz an Kontakten dieser Handwerkervereinigung.

Bald danach konnte sie sich wieder ein größeres Haus leisten, sie konnte sogar ihr Pferd, das sie damals verkaufen musste, zurückerstehen. Sie fertigte nun vornehmlich Werkzeuge, nicht für den kurzen Gebrauch aus minderwertigem Metall, sondern Stahlwerkzeuge für lange Haltbarkeit, ebenso war sie eine gute Rüstungsbauerin, deren Ware viel Anklang fand. Einmal hatte sie das seltene Glück, ein Stück Wahrsilber zu verarbeiten, nicht größer als ein Fingernagel. Sie wusste, daß dieses eine Stück mehr wert war als der Rest der Rüstung.

Nach und nach mied sie Bree, bis sie nach fast zwei Jahren wieder einmal in die Stadt kam, und dort den ehemaligen Rekruten Baumschneider traf, welcher inzwischen Hauptmann geworden war. Sie hörte, daß nach Dornster noch ein weiterer Hauptmann der Stadt gedient hatte, auch ihn kannte sie: Dio, der Rosenkavalier. Ned Baumschneider hatte mit Problemen zu kämpfen, es gab fast keine Rekruten, die Wachen ließen sich nur selten blicken, und Wachtmeister schienen rar zu sein. Sie entschloss sich, wieder zur Wache zurückzugehen, und bewarb sich um erneute Aufnahme, denn...


Ein neuerlicher Brechreiz schüttelte sie durch, doch mehr als Galle kam nicht mehr aus ihr. Das verräterische Mahl - denn nichts sonst konnte es gewesen sein - war längst den Weg alles Erbrochenen gegangen. Entweder war der Fisch schlecht gewesen, hatte zulange herumgestanden, oder... nein, der Fisch roch gut, er war nicht verdorben, er hatte durchaus frisch geschmeckt. Evie richtete sich mühsam auf, und zog das Fenster über dem Bett etwas auf, bevor sie völlig erschöpft zurückfiel und einfach die Augen schloss. Ausgerechnet jetzt war sie allein, ihre Schwester war für ein paar Tage fort...

Ihre Schwester! Sie stöhnte. Erst ihre erste Schwester, die mittlere der drei Töchter des Bauern Reodeth, Lynn. Sie war vor vielen Jahren davongelaufen, hielt es auf dem Hof nicht mehr aus. Das Prinzesschen, war sich für jede Arbeit zu schade, und wollte keine Bäuerin sein. Sie hatte sie hier im Breeland wiedergetroffen, als Bedienstete der besonderen Art in einem Haus namens Mondsteinmaske. Nun vor ein paar Tagen hatte sie die ein Jahr vor ihr in die Fremde aufgebrochene jüngste Schwester Evowyn in Bree getroffen. Evowyn war in den Norden gegangen, weit nördlicher als Bree, um unter die Fittiche des Besten Jägers der Familie, eines Onkels, genommen zu werden. Dieser war verwandtschaftlich im Norden beheimatet, fern von Rohan. Ein Jahr nach ihr ging auch Evie fort, zu ihrem Onkel, der Schmied war, um ihr Handwerk vollends zu verfeinern. Und nun traf sie Evowyn wieder, nahm sie bei sich auf... und Evie ließ zu, daß dieser Gondorer... dieser Dupret, sie umwarb. Was aber konnte sie tun? Sie war nicht ihr Vater. Als hätte sie noch nicht genug Probl-...

Sie schüttelte sich erneut, diesmal im Fieber. Ihr war heiß, so furchtbar heiß. Durch das offene Fenster zog ein kühler Lufthauch, sie fror und schwitzte gleichzeitig, ihr Bettzeug war klatschnass, und sie bekam eine Gänsehaut. Kaum ein klarer Gedanke entstand in ihrem Kopf, sie versuchte, sich wenigstens wieder zuzudecken, aber die weggestrampelte Decke war zu weit entfernt. Aus irgendeinem Grund sah sie unendlich langsam und mühsam zur Tür, die schon hinter einem gelben Schleier verschwand. Dann schlief sie entkräftet ein.
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