Gaimlin

Schreibt hier die Geschichte Eures Charakters nieder.

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Ristred
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Gaimlin

Beitrag von Ristred » Fr 5. Nov 2010, 14:48

Der Auftrag
Die Schneeflocken tanzten zwischen den Gebirgsspitzen der Ered Mithrin hin und her und bedeckten selbst den kleinsten Fleck Gestein, der noch zu sehen war. Kein Vogel, kein Wolf, kein Hase, niemand wagte sich aus seiner Höhle außer zweier Zwerge.
Gaimlin zog seine Kapuze tiefer ins Gesicht und versuchte noch einmal Richtung Süden zu schauen. Rhovanion war kaum mehr zu erkennen und selbst der Düsterwald ließ sich nicht erahnen. Bei guter Witterung war von dieser Stelle der beste Ausblick garantiert. Er beugte sich etwas nach vorn, um nach unten zu schauen und den Pfad abwärts erkennen zu können. Der Wind peitschte ihm dafür strafend ins Gesicht und er ließ sein Vorhaben liegen. „Bruder, komm zurück ans Feuer, hier wirst du nichts erkennen können. Du musst schon warten, bis der Wind die Wolken an uns vorbei bläst. Setzt dich zu mir, der Hase schmeckt vollzüglich und ich kann dein Stück nicht länger ansehen ohne hineinzubeißen.“ Gaimlin lachte auf und drehte sich zu seinem Bruder um, der am Lagerfeuer saß und an seinem Stück Fleisch kaute. Er hatte schon zwei Krüge, an den Rand gefüllt mit Met, neben das Feuer aufgestellt. Insgesamt ein einladender Eindruck in der weißen Wüste. „Setzt dich, setzt dich.“ „Der Hase ist schon fertig und ich habe es nicht gerochen? Wie hast du das denn angestellt, Gaimloin?“ Der zweite Zwerg sah auf: „Oh, das musst du den Wind fragen, mein Bruder, nicht mich“, und lachte. „Na, dann lass mich mal sehen, wie er schmeckt“. Mit diesen Worten stand Gaimlin auf und setzte sich zur linken Seite seines Bruders und nahm sich den übrigen Teil des Hasen vom Spieß. Schnell war der Hase gegessen und die Krüge geleert, da veränderte sich der Himmel um Südosten.
Ja, wirklich lecker. Ich kenne niemanden, der einen Hasen so köstlich zubereiten kann. Doch schau einmal Gaimloin, dort in der Ferne, über dem Erebor. Dort reißen die Wolken auseinander und die Sonne kommt hervor.“ „Wahrlich mein Bruder, du sagst es.“ Sofort erhob sich Gaimloin und ging an den Rand des Felsens. „Wenn unser guter Vetter nun draußen stehen und seine abendliche Pfeife rauchen würde, so könnten wir ihn bestimmt sehen. Aber was sage ich, siehst du den schwarzen Punkt dort, das muss er sein Bruder!“ Gaimlin versuchte dem Finger seines Bruders zu folgen, um den besagten schwarzen Punkt auszumachen. „Gaimloin das ist eine Bärenherde und nicht unser Vetter. Werden deine Augen etwa schon schwach?“ „Hmpf, ich wollte doch nur sehen ob du noch wach genug bist…“, kam murmelnd, mit einem freundschaftlicher Stoß in Gaimlins Seite, als Antwort. „Doch komm, mein Bruder, lass uns in die Hallen zurückkehren und uns ausruhen. Noch eine Nacht will ich hier draußen nicht verbringen und unsere Trinkschläuche sind auch fast leer.“ Demonstrierend hielt er seinen Schlauch in die Höhe, der nur noch wenig Flüssigkeit enthalten konnte, so schlaff hing er herab. „Recht hast du Gaimloin, lass uns aufbrechen.

Sie brachen auf und stiegen langsam den engen, kleinen Pfad bergab, der sich oft im Schnee verlor und doch immer wieder hier und da erkenntlich wurde. Die beiden Zwergenbrüder trugen große Beutel aus festen, stabilen Lederhäuten um den Rücken, in denen sie oft Proviant, Werkzeug und Post für die Zwerge, die in den abgeschiedeneren Teilen der Ered Mithrin lebten und gern die Dienstleistungen der Kundschafter in Anspruch nahmen. Bewaffnet waren beide mit zwei kurzen Äxten, die an ihren Seiten fest angeschnürt waren. Oft dienten sie auch als Kletterhilfen, wenn die Berghänge zu steil wurden. Auf den Rücken der Zwerge, leicht verdeckt von den großen Beuteln, ließ sich bei jedem ein Bogen ausmachen, denen man ansehen konnte, dass sie oft genutzt wurden. Auf ihrer Brust ließ sich ein Wappen ausmachen, dass jedem zeigte, dass sie zu den Kundschaftern der Ered Mithrin gehören.

Gorbolin, ein älterer Zwerg, der oft in dem prachtvollsten Gasthaus der Hallen der Ered Mithrin einkehrt, erzählt gerne von der Entstehung der Kundschafter, deren Schar seit vielen Jahren stets klein gehalten wurde und immer mehr in Vergessenheit gerät. „Einst sicherten sie unsere Grenzen und hielten Ausschau nach den Drachen, den Trollen und zu guter Letzt auch nach den Elben im Süden. Dazu kam die Versorgung unserer Hirten, hoch in den Bergen. Nach der Zeit übernahmen sie auch Botengänge, denn sie kannten das Gebirge wie kein anderer und oft waren sie am Einsamen Berg und brachten Kunde. Doch ihre Zahl schrumpfte und die jüngeren Zwerge bekamen andere Träume, sie wurden von anderen Berufen gelockt und zogen weg. Nur noch wenige werden zu Kundschaftern der Ered Mithrin. Doch es gibt sie und sie kennen ihre Pflichten und Verantwortungen. Ihre Ausbildung ist hart und beschwerlich und ihr Dienst kräftezehrend.“ Jedes Mal, wenn die Jüngeren ihn baten davon zu erzählen, füllten sich seine Augen mit Stolz und Sehnsucht nach den alten Zeiten, in denen er selbst über die weißen Steppen der Berge zog. Lange Zeit ist es her und seine beiden Neffen waren in seine Fußstapfen getreten. Oft wanderten seine Gedanken zu ihnen, die gerade irgendwo in Bergen unterwegs waren und ihren Dienst verrichteten.

Schau, Bruder! Die Hallen…ich kann sie sehen.“ Gaimlin schaute auf. Er hatte zwar die gerufenen Worte nicht verstanden, obwohl sein Bruder nur zwei Schritte vor ihm lief,doch da der Schnee, hier weiter unten, immer noch kräftig gegen das Gestein geweht wurde, war es schwer irgendetwas zu hören, Aber er konnte sich denken, was sein Bruder gerufen hatte und nickte ihm zu. „Ja, wir sind wieder zu Hause, Bruder“, gab er leise wieder, mehr zu sich selbst gesagt. Lange waren sie fort gewesen und bis zum Erebor waren sie gekommen. Dort hatte man sie beauftragt in die, weit westlich gelegenen, Ered Luin zu ziehen und Fürst Dwalin Kunde zu bringen. Doch der Auftrag erfüllte ihn mit Trauer, denn schon lange hatte er seinen Vater nicht mehr gesehen und auch diesesmal würde es nur ein kurzes Treffen geben.

Und so war es auch. Nur kurz waren sie bei ihrem Vater gewesen und schnell wieder aufgebrochen. Nun wanderten sie den Anduin in Fließrichtung entlang. Einen ganzen Tag folgten sie nun schon dem Flusslauf und die alte Waldstraße kam in Sicht. Ihr folgten sie über den Anduin und dann dem Pass über das Nebelgebirge nach Bruchtal, dass sie aber umgehen wollten, da nur selten Zwerge aus den Ered Mithrin nach Bruchtal kamen und sie unangenehmen Fragen aus dem Weg gehen wollten. Wo im Tal noch die Sonne schien, da schneite es im Gebirge stark. Die Sicht war auf einige Schritte beschränkt und kein Leben war zu erkennen. Gaimlin klopfte seinem Bruder auf die Schulter um ihm zu signalisieren, dass er sie nun führen würde. Im Spurenlesen war er sehr begabt. Sein Vetter bemerkte früh, dass Gaimlin ein Talent dafür besaß und brachte ihn zu seinem Kommandanten. Dieser nahm ihn in die Kundschafter auf und gab ihm, wie es üblich war bei den Kundschaftern, einen neuen Nachnamen: Spurenleser; Gaimlin Spurenleser. Später folgte ihm sein Bruder, der die Stärke seines Vater geerbt hatte. Kein Zwerg traute sich mit ihm Kraftspiele auszutragen. Sie ergänzten sich so wie Hammer und Amboss. Sie wurden zu Gefährten und jeden Botengang, jeden Auftrag, jede Jagd erfüllten sie gemeinsam. Nur selten sah man sie allein.

Und nun führte er sie, bei schlechter Sicht und dichtem Schneefall. Doch der Pfad, der schon seit Zeitaltern Reisende über das Nebelgebirge führte, blieb ihm nicht verborgen. Doch nicht das Schneetreiben machte ihm Sorgen, sondern riesige Schneespuren, die er noch nie gesehen hatte. Sie hatten etwa die große eines Baumstumpfes, doch waren sie nicht rund sondern bildeten vorne einen kleinen Einschnitt nach innen. Die Abstände der Spuren waren groß, Gaimlin lief selbst vier Schritte bis zur nächsten Spur. Da ihm die Spur aber nicht bekannt vorkam und er nicht mehr erkennen konnte in welche Richtung sich die Spuren bewegt hatten, gingen sie weiter. Der höchste Punkt des Pfades mündete in eine größere Fläche, die wie ein breiter Weg wirkte. An den Seiten wurde der Weg links und rechts durch eine breite Gletscherspalte, um die zwanzig Fuß breit, teilweise von vereisten Schnee bedeckt, begrenzt. „Schau her Gaimloin, es sieht aus wie eine Brücke aus Eis, weder von Zwergen- noch von Elbenhand geschaffen. Es scheint als habe Mahal selbst sie aus dem ewigen Eis der Berge geschaffen.“ Gaimloin nickte nur, er fand keine Worte um dieses Schauspiel, welches ihm sich darbot, zu beschreiben. „Was hältst du davon Gaimlin, wenn wir die Brücke überqueren und dann etwas essen? Vater hat uns was Gutes mitgegeben.“ Voller Vorfreude auf das Mahl liefen sie über die Brücke doch Gaimlin konnte nicht widerstehen vorsichtig in die Gletscherspalte zu schauen. Viel sah er nicht und er konnte nur raten, wie tief die Spalte wohl sein mochte. Er drehte sich um und blieb auf der Mitte der Brücke nochmals stehen. Der Ausblick, hoch oben im Nebelgebirge war fantastisch. Er hatte das Gefühl nur einen großen Schritt machen zu müssen um in den Düsterwald zu kommen oder die Ered Luin zu erreichen. Da bemerkte er sie wieder. Riesige Spuren, überall verteilt. Vor der Brücke und auch dahinter. Dann spürte er es auch. Irgendetwas war hier und beobachtete sie, sah sie mit hasserfüllten Augen an. Nur wo waren die Augen? Hastig sah er sich um. Gaimloin, der die Beobachtung seines Bruders in seinem Gesicht erkennen konnte, zog seine Axt. Dann spürte es Gaimlin nicht nur sondern hörte es auch. Ein Brüllen, tief, bösartig und kalt erfüllte die Luft. Er kannte diesen Schrei, er hatte ihn schon einmal gehört.
Ein Troll!“, schrie er seinem Bruder zu und legte einen Pfeil an die Sehne seines Bogens. Rücken an Rücken standen sie nun auf der Brücke und warteten, von welcher Seite der Troll nun kommen würde. Gerade als Gaimlin seinem Pfeil etwas Kraft nahm um seinen Arm wieder zu entspannen, kam er hervor. Ein riesiger, weißer Troll. „Hmpf, dabei habe ich solchen Hunger. Warum muss uns das immer passieren Gaimlin? Und vor allem immer, wenn ich Hunger habe?“ Gaimlin sah seinen Bruder verdutzt an. Da stand ein Troll vor ihnen und er dachte an's Essen. Doch auch er wünschte vorher etwas gegessen zu haben, denn ihr letztes Mahl lag länger zurück und einige Kräfte waren während des Aufstieges verzehrt worden. „Nun denn Bruder, da müssen wir durch. Am besten wäre es, wenn wir ihn von beiden Seiten bedrohen. So hat einer von uns immer eine ungedeckte Seite zu sich gerichtet.“ Und schon rannte Gaimloin auf den Troll zu, ohne eine Reaktion seines Bruder abzuwarten, schrie den Troll an: „Baruk Khazâd! Khazâd ai-mênu!“, und rutschte zwischen den Trollbeinen hinter das Ungetüm. Dieser bemerkte nicht das Vorhaben der Zwerge und rannte voller Tollwut auf die Brücke. Erst dort merkt er, dass ihn die Zwerge eingekesselt hatten. Voller Wut schlug er verzweifelt um sich, doch Gaimlin legte den Pfeil wieder auf die Bogensehne, zielte und schoss. Ein schmerzerfülltes Brüllen ließ erkennen, dass er getroffen hatte. Schnell sah er zu seinen Bruder auf der anderen Seite der Brücke hinüber. Dieser hatte nicht tatenlos zugesehen, sondern einen Stein heran getragen. „Schieß noch mal , ich brauche mehr Zeit.“ Und wieder spannte Gaimlin seinen Bogen, zielte und schoss auf den Troll, der gerade auf seinen Bruder losstürmen wollte. Wieder brüllte der Troll laut und blieb taumelnd stehen. Diese Möglichkeit nutze Gaimloin aus. Er hob den Felsbrocken hoch, nahm etwas Anlauf und warf dem Troll den Fels an den Kopf. Der noch schwankende Troll kam durch den Felsen komplett ins stolpern und rutschte aus. Er schlitterte seitlich die Brücke hinunter und blieb auf dem vereisten Schnee, der die Gletscherspalten etwas abdeckte, stehen. Das Eis fing laut zu knarren an und im nächsten Moment brach es zusammen und fiel mit dem Troll in die Tiefe. Doch auch die Brücke fing an zu knarren und Risse entstanden im Eis, die sich stetig erweiterten. Beide Zwerge machten einen Satz nach hinten, weit von der Brücke weg, die einbrach und in der Dunkelheit verschwand. Gaimloin sank zu Boden.
Bei Durins Barte! Wieso auch noch das?“ Die zerbrochene Brücke hatte sie getrennt. Zwischen ihnen befand sich nun eine Schlucht, die man nicht überwinden konnte. Gaimlin war auf der Seite, in der ihr Ziel lag, sein Bruder auf der, wo sie herkamen. Lange saßen beide da und überlegten, wie Gaimloin über den Spalt kommen könnte. Doch nichts viel ihnen ein. „Es hat keinen Zweck, Bruder“, rief ihm Gaimloin schließlich zu. „Wir müssen uns trennen. Ich werde wieder in die Ered Mithrin zurückkehren und unserem Vater unterstützen, während du dich in die Ered Luin aufmachst. Die Botschaft muss an Dwalin überbracht werden. Vielleicht erfährst du von ihm auch, ob es noch einen Pfad gibt, der dich nach Hause führt.
Und so war es entschieden. Gaimloin machte sich auf den Rückweg und Gaimlin brach zu Fürst Dwalin auf. Zum ersten Mal reiste er ohne seinen Bruder und dann noch in ein Land, in dem er nie zuvor war und es nur aus Erzählungen kannte. Leise flüsterte er in den Wind: „Ich werde zurückkehren Bruder. Irgendwann finde ich einen Weg zurück, selbst wenn ich dafür Moria durchschreiten oder einen Tunnel graben müsste. Ein Gebirge vermag uns nicht zu trennen.
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Re: Gaimlin

Beitrag von Ristred » Fr 5. Nov 2010, 14:52

Die Ankunft
Die Sonne lag tief und gab der Welt einen letzten roten Schein. Die Berge, hinter denen sie verschwand, wirkten von hier aus klein und in weiter Ferne. Der Tag war im Wandel, die einen legten sich nieder, andere wiederum durchströmte der Jagdtrieb. Der Schrei einen Uhus lies erkennen, wer nun jagen würde. Von Nadelbaum zu Nadelbaum flog er um zwischen den einzelnen Schneefeldern Beute zu erkennen. Doch unausweichlich folgten ihm etwas, ließ nicht von ihm ab oder forderte sein Territorium. Jedes Mal, wenn er landete hörte er wieder dieses Stapfen. Es wurde ihm genug und mit einem letzten Schrei, verließ er zum ersten Mal sein Jagdgebiet.

Die Reise war lang und entbehrlich gewesen. Da er nur wenig über die Beziehungen der Völker wusste, war er oft der Straße ausgewichen und hatte Reisende gemieden. Doch auch hier traf er auf Warge, Orks und andere Viecher, die ihm die Reise erschwerten. Als er den Amon Sul erreichte, lenkte er seine Schritte mehr gen Norden, denn er hatte zwei Menschen belauscht, wie sie von eine baldigen Ankunft in Bree sprachen. So wanderte er quer Feld ein. Nach einigen Tagen kam er an einen See, von dem er schon oft gelesen hatte. Es war der See von Evendim. Bald würde er da sein und endlich ruhen können. Er zwang sich Schritt vor Schritt zu setzen und den Schlaf zu verdrängen.
Und endlich war er hier, in den Ered Luin, Schnee wich nun wieder seinen Stiefeln, ein kühler Wind erfrischte wieder sein Gesicht und gab ihm ein Gefühl seiner Heimat wieder näher zu sein, hier in der weiten Ferne. An Hand von Spuren wollte er erkennen, in welche Richtung er sich nun hier wenden sollte. Er konnte nicht erkennen, welche Richtung Dwalin gewählt hatte oder wo er sich überhaupt befand. Suchend schaute er sich um, als er bemerkte, dass ihn ein Rabe beobachte. Leicht verneigte er sich vor ihm und versuchte sich an die Sprache zu erinnen, die er vor vielen Jahren, mehr aus Zeitvertreib, von seinem Vetter gelernt hatte. Langsam ging er auf ihn zu.

Zwei Wanderer, groß von Gestalt, kamen den Pfad im Norden hinunter und richteten ihre Schritte dem Süden zu. Der eine war ein Mensch, sein Weggefährte ein Elb. Der Mensch sah sich um, als er einen Zwerg entdeckte, der mit einem Raben sprach. Ja, sprach. Viel konnte er nicht verstehen, doch er hörte immer wieder merkwürdige Laute aus dem Munde des Zwergs. Leicht stieß er seinen Gefährten an. „Schau, der Zwerg unterhält sich mit einem Raben. Ich wusste nicht, dass die Zwergen verrückt werden können. Doch der scheint es mir zu sein.“ Der Angesprochene lauschte etwas den Lauten und sah dann seinen Freund an. „Nein, mein Freund er ist nicht verrückt, keines Falls. Zwerge haben die Fähigkeiten, sich mit Raben zu verständigen. Manches mal reden sie auch mit Drosseln.

Gaimlin bedankte sich bei dem Raben und dieser erhob sich in die Lüfte. Am Anfang war es ihm schwer gefallen, sich an die Laute zu erinnern doch nach und nach kamen sie in sein Gedächtnis und der Rabe konnte ihm genug sagen und er wusste nun wo er lang musste. Zum Schluss warnte der Rabe ihn noch vor Verrätern unter den Zwergen und Bilwissen im Norden. Doch war er nicht mehr Fern.
Eine Stunde verging bis er die Hallen Thorins erblickte und ihr Tor durchschritt. Geradewegs schritt er zu Dwalin, grüßte ihn und übergab ihm den versiegelten Brief, der ihm anvertraut wurde. Und dann bat Dwalin ihm von der Reise zu erzählen und Gaimlin sprach über alles was ihm passiert war, selbst von der Trennung von seinem Bruder, die ihn immer noch schmerzte. „Einen schweren Weg hast Du auf dich genommen um hier her zu kommen. Und ich danke Dir dafür. Nur leider kann ich Dir auch keinen Pfad, der dich zurückführen kann, nennen. Zur Zeit sind wir hier festgehalten. Von überall zieht Krieg hinauf und wir brauchen jeden Kämpfer. Du würdest eine große Stütze für mich sein. Doch ruhe dich erst einmal aus. Und dann schaue dir die Berge und Täler der Ered Luin an. Bree brauchst du auch nicht umgehen. Wir Zwerge sind dort willkommen. Und wenn ich dir einen Ort empfehlen darf, geh ins das Tal hinunter. Dort steht ein Hafen, aus Zwergenhand geschaffen. Solch einen hast du sicherlich noch nie gesehen“. Dann stand Dwalin auf und zeigte Gaimlin einen Platz, an dem er endlich ausruhen konnte.
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Re: Gaimlin

Beitrag von Ristred » Fr 5. Nov 2010, 14:58

Fuß fassen in einer zweiten Heimat
Seine Stiefel verdrängten den Schnee, wenn nicht, wurde der Schnee unter seinem Gewicht zusammengepresst und knarrte laut. Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen um seine Augen zu schützen und sich so möglichst gute Sicht zu ermöglichen. Immer wieder blieb er stehen, schaute um sich und weit in die Ferne, durch die Nebelschwaden, die ihm keinen Einblick gewehren wollten. Immer dann schlug ihm der Schnee ins Gesicht, doch seine Kälte gewöhnte Haut trotzte den Verlangen, den Kopf sofort wieder zu neigen. Unter seinem Umhang zog er seinen, aus Leder und Fellen gefertigten Trinkbeutel. Schon während er den Stopfen, mit dem er seinen Beutel verschloss, öffnete, kam ihm der süße und wärmende Duft des Mets entgegen und durchströmte ihn mit Wärme, die den ganzen, kurzen, stämmigen Körper aufwärmte. Die Einsamkeit hier, weit der bewohnten Welt Eriadors entfernt, brachte ihn ein Stück näher zu seiner Heimat im Osten.
Immer noch schmerzte es ihn, wenn er von ihr sprach oder auch nur an sie dachte. Fürst Dwalin hatte ihm zwar einen Platz in seinen Hallen angeboten, den er dankend angenommen hatte. Er hatte sich Besserung gewünscht, wieder erweckte Freude unter den entfernten Vettern gesucht, doch sie blieb ihm versagt.

Was war ihm nicht in den Wochen, in denen er schon hier war, passiert. Als er die Hallen Thorins verließ um Ablenkung zu finden, traf er auf einen Elb und eine Elbin. Sie schlossen eine Gemeinschaft, und wurden Waffengefährten. Zusammen zogen sie weiter, überstanden Gefahren und betraten Lande, die noch niemand von ihnen gesehn hatte. Weit reisten sie zusammen , bis zu dem Tag, als der Elb in Evendim verschwand. Die Elbin nahm ihn mit in ihr Heim, in dem sie Unterschlupf bei einer Jägerin der Menschen bekam. Er hatte die Frau nur einmal getroffen. Die Begegnung ging ihm nur schwer aus seinem Kopf. Sie war ihm, bei einem Gespräch mit der Elbe, um den Hals gesprungen und nannte ihn Sevorus. Es brauchte nicht lange bis sie erkannte, dass er nicht dieser Zwerg ist. Mit Tränen in den Augen war sie nach der Erkenntnis aus dem Haus gerannt. Nymara, die Elbe erzählte ihm von Lycandes altem Freund, der verschollene Zwerg Sevorus.

Die weißen Schneefelder liefen hier nun langsam aus und mündeten in kahle, steinige Bergthrone. Einen wollte er besteigen und in das Tal der Ered Luin hinabblicken, zu dem Hafen, der ihm genannt wurde ihn aber noch nicht betreten hatte. Er nahm seine Kletterhacken und gekonnt zog er sich Meter für Meter höher, seinem Ziel entegegen. Oben angekommen sah er in das Tal hinab und weit entfernt, erkannte die beiden Tortürme und den dahinter liegenden Hafen. Sie sollten das erste Ziel seiner zweiten Reise sein, das zweite Ziel die erschrockene Jägerin. Sie trösten kann er wohl nicht aber jemanden aufspüren, dazu noch von seinem eigenen Volk, dies sollte möglich sein.

Einige Tage später stand er nun vor dem Haus, in dem er Lycande das erste Mal, noch im Beisammensein mit Nymara, begegnet war. Kräfitg klopfte er an der Tür und die Frau öffnete ihm. Höflich verbeugte er sich und reichte ihr dann nach menschlicher Höflichkeitsform die Hand. „Seid gegrüßt, Fräulein Lycande. Ich bin Gaimlin Spurenleser, doch Gaimlin, das reicht vollkommen. Nymara erzählte mir von Eurem Freund und auch etwas von Euren Befürchtungen. Da ich mich mit meinem Volk und den Bergen gut auskenne, möchte ich Euch meine Hilfe anbieten.
Dies sollte der Beginn einer langen und tiefen Freundschaft werden.
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