Ein neuer Weg

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Ein neuer Weg

Beitragvon Ristredin am Mo 16. Nov 2009, 22:05

Wenn Gewohntes fremd wird


Das Pflanzenreich hatte sich schon lange zurückgeholt, was einst ihm gehört hatte. Die Straßensteine lagen nur noch selten so wie sie vor etlichen Jahren gelegt worden waren. Viele wurden von Wurzeln, weit entlegener Bäume, angehoben und andere so zerrissen, dass scheinbar aus dem Stein heraus das Grün wuchs.
An manchem Ort verschwand die alte Straße vollständig und sie zeigte sich dem Reisenden erst Stunden später wieder. Einst lies sie den Handel erblühen, nun gab sie diese Aufgabe an die Blumen zurück.
Mit einer unbegrenzten Geduld trug ihn seine Stute auf der langen Nord-Süd-Straße. Nur zweimal hatten sie seit dem Aufbruch im Sonnenaufgang gerastet. Und nun, bevor er die einstige Stadt, heute nur noch ein kleiner Schatten ihrer selbst, im roten Abendlicht sehen konnte, zog ihm der Geruch des Sumpfes in die Nase. Die leichte Windbrise trug ihn aus dem Süden gen Norden hinauf. Während der bittere Duft ihn ihm den Wunsch nach einem Umweg aufkeimen lies, trabte Maew stetig weiter, scheinbar nichts als dem Weg ihre Aufmerksamkeit schenkend.
Nahe einer kleinen Gruppe von Bäumen zog er die Zügel an, stieg behutsam ab und führte sein Pferd unter die Baumkronen. Müde lies er sich in das Gras fallen, den Blick auf das Geäst der Bäume gerichtet. Erst unter dem rötlichen Licht der untergehenden Sonne, fiel ihm auf, dass sich die meisten Blätter schon golden gefärbt hatten. Noch bei seinem Aufbruch, einige Wochen zuvor, war das Blätterreich noch saftig grün gewesen. Stundenlang hatte er auf nichts als die Blätter des Breelandes geschaut, als er bei einem der Höfe vor Bree vergeblich gewartet hatte. Doch weder sie, noch ein Geräusch, das Leben im Haus angedeutet hätte, hatte er wahrgenommen.
Langsam und mit einem müden Gähnen richtete er sich wieder auf. Aus einer der Satteltaschen entnahm er eine, in ein grünes Tuch gewickelte, Schreibfeder, ein bronzenes Tintenfass und ein einfaches Stück Papier, dass nur die Größe einer Handfläche besaß. Das legte er auf den Sattle, wickelte die Feder aus dem Tuch, tunkte sie in das Tintenfass und begann mit kleinen Buchstaben zu schreiben.

Liebe Schwester,
Ich habe nun bald die südliche Grenze von Cardolan erreicht. Tharbad ist nicht mehr weit entfernt. Auch wenn sich meine Müdigkeit von der Reise nicht verschweigen lässt, fühle ich mich dennoch gesund. Es würde mich freuen, wenn du dich ebenfalls einer guten Gesundheit erfreust.
Grüße auch bitte unsere Freunde im Breeland.
Fertu Hal, Ristredin.


Mit einem skeptischen Gesichtsausdruck las er den Brief nochmals einige male durch, rollte ihn zusammen, band einen Faden herum und schrieb gut erkennbar Nidie Norell auf die äußerste Papierschicht. Dann schritt er um sein Pferd herum und löste einen mit vielen Lederriemen am Sattel festgebunden Vogelkäfig. Die Drossel schloss er sanft in seine Hand und führte den Brief in ein kleines Röhrchen, dass am Bein des Vogels befestigt ist.
Bevor er die Drossel in die Luft warf, flüsterte er ihr leise „Eard“ zu und sah ihr nach, bis sie nicht mehr zu erkennen war.

Wieder gähnend wand er sich seine Stute zu, band die Zügel um einen der Bäume, wickelte sich selbst so gut es möglich war in seinen Umhang und schloss die Augen um zu schlafen.

Einige Tage später sitzt die Drossel auf der obersten Treppenstufe, die zur Tür des grossen Anwesens führte. Das Anwesen, dass manch einer als die Hallen der Meigol i Estel kennt.
Ristredin
Bewėrigend
 
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