[Zusammenfassung für Lain Ardhon] In den Klauen der Orks

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[Zusammenfassung für Lain Ardhon] In den Klauen der Orks

Beitragvon Celestiel am Mi 22. Okt 2008, 17:30

[Ganzer Thread inkl. Vorgeschichte >>hier<< nachzulesen]


Die Schlacht um Skathmur

Regen. Silberne Fäden, die in kühlen Tropfen an den Gesichter jener hinab rannen, die angespannt den dunklen Pfad entlang blickten oder mit geschlossenen Augen der Dinge harrten, die in jeder Sekunde unweigerlich geschehen mussten.
Nebel. Graue Schlieren, die um die dunklen Felsvorsprünge waberten und die Felswände entlang krochen, gleich ausgesandter Boten, die den Neuankömmlingen einen unwirtlichen Empfang bereiten sollten.
Schatten. In diesen Landen waren sie allgegenwärtig. Bereits an den Grenzen hatte man sie spüren können. Dunkle Schemen auf lautlosen Sohlen, die sich der Hoffnung in ihren Herzen bemächtigen wollten. Unsichtbare Raubkatzen, die in der Dunkelheit Angmars lauerten.
Licht. Es war da. Im tiefen Herzen brennend, jedweden Schatten trotzend, die über dieses triste Land herrschten. Hier war kein Platz für Hoffnung und doch hatte man sie mit sich getragen, damit sie in den Schatten Angmars erstarken konnte.

Das Klirren aneinanderreibender Rüstungsteile erklang, als sich die Griffe um die Waffen unwillkürlich verstärkten und beim ein oder anderen gar versteiften.
Ungestüm waren die Herzen, erfüllt mit Furcht und Kampfeswillen, die wie Feuerfunken im Innern aufstoben.

Geräusche in der Dunkelheit.
Unheimliches Zischeln.


Das Feuer der Entschlossenheit funkelte in ihren Augen auf, als die Geräusche anschwollen. Tapfer griff man zu den Waffen, den Schatten den Beweis erbringend, dass diese hier und jetzt keine Macht über sie haben würden. In unregelmässigen Abständen stiess man den Atem in die kühle Luft aus. Lebendige Wölkchen, zum raschen Verpuffen verdammt. Denn alles, was den Anschein von Lebendig sein machte, wurde in diesen Landen nicht geduldet.

Grollen in der Ferne.
Unheilvolles Waffengeklirr.


Einen Herzschlag lang stand die Zeit still, so ergriff die Angst vor dem Ungewissen ihre Herzen. Die Söldner und Reiter kämpften bereits. War der Moment gekommen, der ihr aller Schicksal entscheiden sollte? Hier, inmitten der Schatten, die ihr Band dunkel flüsternd enger um sie zogen?

„STÜRMEN!“

Der Boden erbebte unter dem Gewicht ihrer Schritte, der Kampfeswillen ungebrochen. Schild prallte gegen Schild, Klinge traf auf Klinge, Blutstropfen um Blutstropfen vergossen.
Die ersten Verletzten lagen verstreut vor dem Tore Skathmurs, zusammen mit den Leichen ihrer orkischen Feinde. Ehe man Zeit gehabt hätte, sich über das Geschehene klar zu werden, stürmten brüllend weitere Wellen an Orks heran. Bestialische Kampfrufe, die Mark und Bein durchdrangen, fast imstande die Moral eines einzelnen ersticken zu lassen. Doch Streiter der Agar Teryn, Meigol i Estel, Reiter aus Rohan und selbst Söldner waren an diesem Tage auf dem Schlachtfeld vereint, in Verbundenheit und Loyalität. Waffenbrüder und Waffenschwestern, vielleicht sogar über diesen Tag hinaus.
Wohl war es diesem Zusammenhalt zu verdanken, dass sie die Orks zurückdrängen und in das Lager einfallen konnten, auch wenn ihr Plan, dass die Agar Teryn und die Meigol i Estel ungestört in das Lager eindringen sollten, während die Söldner und die Reiter das Tor freikämpften, missglückt war.
So standen sie nun alle beisammen, unweit des Tores und das leere, trügerisch stille Lager überblickend. Tückisch sollte dieser Moment des Verweilens sein, denn der Trug traf sie mit einer Wucht, die sie zurück vor das Tor drängte. In einer unerwartet grossen Anzahl waren weitere Orks zur Verstärkung ihrer durchbrochenen Reihen angerannt und nahmen sich gnadenlos das zurück, was man ihnen zuvor weggekämpft hatte. Fassungslos musste man zusehen, wie das Terrain, das hart freigekämpft worden war, wieder den Orks anheim fiel. Eine Niederlage, die so unerwartet gekommen war, dass sie den Kampfeswillen, den man ungebrochen glaubte, straucheln liess, wie jemand, dessen Stütze weggebrochen war. Hier war es jedoch schwindende Hoffnung, an der man trotz allem festhalten wollte, egal wie fadenscheinig sie durch ihre Hände glitt. Zum neuerlichen Ansturm wurde ausgerufen und mit geballter Kraft wagte man einen zweiten Angriff auf das Tor, das von den Orks verbissen verteidigt wurde.

Sie wankten.
Stück für Stück.
Endlich den Weg in das Innere des Lagers freigebend.


Die Orkleichen türmten sich schon fast auf dem vertrockneten Boden, dem Flüssigkeit zugeführt worden war: Blut. Und es war gewiss nicht nur Orkblut.
Es war eine schier unüberschaubare Zahl an toten Orks. Beunruhigende Gedanken wurden wach, denn wie war es möglich, dass sich in einem solch’ kleinen und unbedeutenden Lager eine solch’ grosse Streitmacht an Orks aufgehalten hatte?
Hatte man die Lage falsch eingeschätzt?
Hatte man verräterische Selbstsicherheit über den eigenen Verstand siegen lassen?
Oder waren die Orks vorgewarnt gewesen?
Gar ein Verräter in den eigenen Reihen?

Mit diesem mulmigen Gefühl in ihren Herzen schritten sie weiter voran, jede Ecke des freigekämpften Lagers sichernd. Rufe nach Berian erschallten und wurden durch das ganze Lager getragen.

Es antwortete ihnen nicht.
Sondern strafte sie wieder mit tückischer Stille.


An einem grossen Lagerfeuer machte man kurz Halt, gönnte jenen, welche die ersten schweren Verletzungen erlitten hatten, eine Pause, in der man nur kurz verschnaufen konnte. Atem, der einem wieder abhanden kam, als man auf den aufgeschichteten Knochenhaufen aufmerksam wurde.
Um Fassung ringend zwang man sich, den Blick abzuwenden, so nagte der Gedanke, dass die Orks ihre Gefangenen verbrannt und diese den lodernden Flammen übergeben hatten, zu sehr an ihnen. An ihnen und der Hoffnung, an der die Schatten unerbittlicher denn je zerrten.

Ein Pfad, der sich zu einer weiteren Ebene des Lagers hoch schlängelte, barg jedoch die letzte Hoffnung. Entschlossen trat man den Weg an, doch bewahrte sie eiserner Willen nicht vor einem weiteren feindlichen Angriff.

Donnergrollen von oben.
Gedröhne von vorne
Beben von unten.


Eine Gruppe an Trollen kam den Weg hinunter gestampft, direkt auf die Verbündeten zu. Schwerfällig hoben sie zwar zu ihren Hieben an, doch erfolgten diese wuchtig und trafen ihr Ziel bleischwer. Losgelassene, entfesselte Ungetüme, die wild um sich schlugen und versuchten so viele Eindringlinge wie möglich zu erschlagen, bevor sie von den Kämpfern und Bogenschützen bezwungen und zu Boden gerungen wurden.
Unruhe peinigte die ohnehin schon aufgeschreckten Seelen, denn abermals waren sie einer Merkwürdigkeit ausgesetzt worden, die sich auf Anhieb nicht erklären liess.
Trolle in einem kleinen Lager wie Skathmur?
Was hatte dies auf sich?

Licht in der Dunkelheit.
Ein Feuer.
Das Ziel, so nah’.


Die Befürchtungen eines Verrates zurück in das Dunkel drängend, nahm man den Weg hoch zum Lager wieder auf, angezogen von dem Schein der Flammen, die heiter vor einem Zelt hoch und hinab züngelten, fast als wären sie in freudiger Erwartung über jenen Trupp, der nun den Weg hinauf kam und sich an dessen Ende positionierten.

Zwei dunklen Umrisse.
Beschienen von dem gelben Licht der Flammen.


Angespannt hielt man inne, als man sich der beiden Gestalten am Feuer gewahr wurde. Beide in ihrer Erscheinung finster und dunkel. Menschen, verdorben vom Bösen. Der eine, ein hitziger Südländer, um Sklavenpreise feilschend. Der andere, ein herrischer Angmarim, den Schatten treu.

„Ha, du Narr! Glaubst du wirklich, ich verkaufe dir die Gefangenen für diesen Spottpreis?!“, gellte es barsch aus der Kehle des Angmarims, der nicht mit sich handeln liess.
„Verkennt Angmar nun schon den Wert seiner Käufer? Niemand bietet euch mehr als 80 Silberstücke für diese jämmerlichen Gestalten dort im Zelt! Ihr tätet also besser daran, mein Angebot anzunehmen.“ Zittrig die Stimme des südländischen Sklavenhändlers, doch schien Gier selbst in Feiglingen Mut zu wecken, wenn auch nur im Entferntesten die Aussicht auf Profit bestand.
„Oh, Angmar hat keine fehlenden Käufer zu beklagen. Die Bergmenschen in Donnvail bedürfen laufend Gefangener für den Berg- und Erzbau. Vielleicht sollte ich ihnen ja den Kauf unterbreiten, wenn so ein Taugenichts wie du nicht weiss, was er gefälligst zu bezahlen hat!“, antwortete der Angmarim mit einem spöttischen Lachen, das kalt wie ein Regenschauer durch die erstarrten Reihen der Verbündeten ging.
„100 Silberstücke, mehr biete ich nicht! Und dazu will ich den Waldläufer für...sagen wir...200 Silberstücke.“, stellte der Sklavenhändler einen weiteren Versuch an, den Preis seinen Wünschen anzupassen.
„Du verlangst mehr als dir zusteht, du Hund! Ich habe dir erst gestern eine Gruppe Gefangener überlassen, zusammen mit diesem feinen Barden, den du sicherlich gewinnbringend verhökern konntest. Man könnte fast meinen, er hätte dir mit seinen Lautenklängen den Verstand vernebelt!“, fuhr der Angmarim seinen Gegenüber wütend an und liess seine Worte mit einen nicht minder zornigen Faustschütteln enden. Eine Wut, die plötzlich umschwenkte auf die Eindringlinge, die nun seine Aufmerksamkeit erregten. Ein höhnisches Lachen brauch aus ihm heraus. „Ach nein, sieh' an...Ich komme ja früher als gedacht zu neuen Gefangenen!"
„J-ja...die...die werden sicher zu mehr zu gebrauchen sein als dein feiner Barde. Ha, feiner Barde...“, ereiferte sich der Sklavenhändler schnaubend und verlieh so seinem Unmut Ausdruck: „Ist fast unbrauchbar wegen deinen dümmlichen Orks, die nicht wissen, wann sie ihre Finger von den Gefangenen lassen sollen! Wird mich Zeit und Geduld kosten den Kerl wieder aufzupäppeln! Ist also nur mehr als recht, wenn du mir den Waldläufer überlässt.“
„Der Waldläufer ist unverkäuflich! Nimm die restlichen Gefangenen und scher dich weg! Du kannst jedoch auch warten und zusehen wie ich dir gleich eine ganze Schar neuer Gefangener besorge!“, und drehte sich böse grinsend zu den anderen um. „Ihr da! Die Orks mögt ihr besiegt haben, doch unterschätzt die Macht Angmars nicht! Ergebt euch also und wir sind so gnädig euch euer jämmerliches Dasein als Diener Angmars zu lassen oder ihr findet einen schmerzvollen Tod. Entscheidet euch!“, machte er in herrischem Tonfall seine Forderung und die seiner Herren unmissverständlich klar, doch zu weit waren die Verbündeten gekommen, als dass sie sich nun hätten einschüchtern lassen. Die Worte des Angmarim hatten in diesem Moment keinerlei Gewichtung, so war es die verzweifelte Hoffnung, an die sich alle klammerten.

Berian war im Lager.
Er musste.


Entschlossen, den Angmarim und den Sklavenhändler zu bezwingen, wollte man den Kampf gegen sie eröffnen, doch ergriffen die beiden so abrupt die Flucht, dass man nach wenigen Schritten die Spur verloren hatte. Die Gunst des Momentes, in dem man das Lager gesichert glaubte, nutzend, stürmten sie in das Zelt. In der hinteren Ecke lagen Gefangene, vor Schmerzen aufstöhnend, Träger von Wunden, die nicht nur äusserlich zu sehen waren. Eingefallen und alt wirkten diese Gesichter, als hätten sie unvorstellbares Grauen gesehen und erlebt. Unter ihnen ein Mann, der benommen vor Schmerz an die Zeltwand gelehnt war, das geschundene Antlitz grösstenteils von dreckigen, langen Haarsträhnen verdeckt. Einige Streiter der Agar Teryn blieben erstarrt stehen, als ihre Blicke auf den Mann fielen. Ein Ausdruck des Erkennens zeichnete sich in ihren Gesichtern ab, schlug jedoch im nächsten Moment in Fassungslosigkeit um.
Und es war nicht Berian.

Ansteigendes Gebrüll.
Erzitternder Boden.


Erschrocken fuhr man hoch, als die trügerische Stille wieder einmal ihr wahres Gesicht zeigte. Auf dem Vorplatz sammelten sich plötzlich Trolle und stampften unheilvoll auf all jene zu, die raschen Schrittes das Zelt verliessen, um sich dem bevorstehenden Kampf zu stellen. Speer-, Axt- und Schwertspitzen wurden in die Höh’ gestreckt und funkelten auf in dem Gewirr an Kämpfenden. Endlos schien ihre Zahl, so kamen immer weitere Trolle herangestürmt. Als sich die Reihen für einen Herzschlag lang lichteten, war die Sicht auf einen Uruk-Hai frei, dessen Ruf die Trolle folgten. Unnatürlich das schrille, durchbohrende Brüllen, das sich aus seiner Kehle wand und jeden Funken Hoffnung ersterben liess. Flink und geschickt bewegte er sich durch das Kampfgetümmel und führte seine Hiebe blitzschnell aus. Eine Unnatürlichkeit, furchterregend und einschüchternd, doch blieb es ein einzelner Uruk-Hai, der sich nicht ewig gegen die Streitmacht der Verbündeten behaupten konnte.
Lange musste man um den Sieg kämpfen, doch so gelang es, als der kampfgestählte Leib des Uruk-Hais auf den Boden prallte und in eine Decke aus Staub gehüllt wurde.

Licht siegt über Dunkelheit.
Doch nicht die Hoffnung über die Verzweiflung.


Nach den letzten Kräften suchend, die ihnen noch geblieben waren, sammelte man sich am Lagerfeuer vor dem Zelt, aus welchem sogleich Falandir und der geheimnisvolle Gefangene traten. Schwerlich konnte er sich auf den Beinen halten, zu lange war er den Quälereien der Angmarim ausgesetzt gewesen.

Ein gebrochener Mann.
Geschunden und misshandelt.
In Wahrheit jedoch ein tot geglaubter Erbe.


Eorain, jener Rohirrim, der ganz unverhofft seinem selbst erwählten Exil entsagt hatte und mitten in der Schlacht zurückgekehrt war, stellte sich an seine Seite, fast als würde er sich als persönlicher Schutzherr des Mannes sehen. Seine Identität sollte jedoch verborgen bleiben, denn so drängte man nun darauf, den Ort zu verlassen, aus Furcht, dass schon weitere Gegnergruppen alarmiert worden waren.

Von Berian keine Spur.
Nur die bittere Erkenntnis, versagt zu haben.


Gesenkten Hauptes trat man den Rückweg an, hinfort von einem Ort, der alle noch lange im Traum heimsuchen würde. Das tote Gras wurde von den Pferden platt gedrückt, die im traurigen Trott das Lager der Erdmenschen ansteuerten.

Regen. Er ging noch immer auf sie hernieder und noch immer haftete ihm nichts Tröstliches an. Seinen Segen sprach er jedoch auf die leblosen Lande, wusch die von Blut getränkten Schlachtfelder rein.
Nebel. Er lichtete sich.
Schatten. Man liess sie zurück, doch hatten sie Macht über die Herzen errungen und sich dort eingenistet.
Licht. Am Ende des Weges musste es zu sehen sein, doch wie sollte man ein solches erblicken und wie sollte man in dessen lindernden, trostspendenden Strahlen treten können, wenn das Ende noch gar nicht erreicht war?

War dies womöglich erst der Anfang eines Weges, den es weiter gemeinsam zu beschreiten galt?

Als die Verletzten notdürftig versorgt worden waren und man jene Kräfte zurückgewonnen hatte, welche man für die Rückreise nach Bree brauchte, kehrte man dem Pass des Ram Duath endgültig den Rücken zu und der geheimnisvolle Fremde wurde in das Haus der Agar Teryn gebracht, wo er rasch genesen sollte.

Regen. Er hatte aufgehört.
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